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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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wandert seien. Selbst Blut sei wiederholt geflossen, indembewaffnete Zusammenstöfse nicht zu den Seltenheiten gehörthätten. Besonders aber lebe noch heute in dem Gedächtnisder Arbeiter jenes Blutbad auf dem Peterloofelde fort, wo dieYeomanry von Cheshire auf die Baumwollarbeiter Manchesterseinsprengte.

Auf meine Frage, was denn die Bedeutung des Chartis-mus gewesen sei, antwortete der Greis: eine Arbeiterparteiim Parlament, Herrschaft im Staat durch das allgemeineStimmrecht, um aus dem Gesetz gegen die Armen ein Gesetzfür die Armen zu machen. Mit dem Chartismus und nach-dem dieser seine Höhe als politische Bewegung schon über-schritten gehabt hätte, sei eine Zeit grofser und leidenschaft-licher Arbeitseinstellungen gekommen. Er erinnere sich be-sonders des heiligen Monats 1842 und des grofsen Strikes zuPreston 1853, der vierzig Wochen gedauert habe, und zu dem700 r £ wöchentlich allein aus Blackborn beigesteuert wordenseien. Die Ausstände hätten furchtbares Elend und grofseVerbitterung mit sich gebracht, Gewerkvereine habe es da-mals noch keine gegeben und jene Ausstände seien mehr Aus-brüche des Herzens als Erzeugnisse des Kopfes gewesen.

Ein ungeheurer Umschwung sei seitdem erfolgt; die

Jungen, die wir um uns zu heiterem Feste vereint sähen,

jene Mädchen, von denen jede 3 und mehr für die Feier-.

tage ausgäbe, jene Burschen, die in Fufsball und anderemSport den Überschufs ihrer Muskelkraft ausgäben, sieschüttelten ungläubig den Kopf, wenn er ihnen sage, dafs ihrenGrofseltern ein Gedanke an Fest und Sport nie gekommensei. Der Ubergang zu 10 und 9 stündiger Arbeitszeit anStelle 13 stündiger, auskömmliche Löhne, Genossenschaften,Gewerkvereine, politische Freiheit an Stelle von Unter-drückung der Arbeiterbewegung kennzeichneten den Fort-