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schritt. „Aber
wollen Sie das Wahrzeichen dieses Um-schwunges sehen", fuhr der Greis leuchtenden Auges fort,„es liegt vor Ihnen auf dem Tische, die Stärke Lancashires",und er erhob mit triumphierender Gebärde ein Stück Weizen-brot. Für den Greis war Cobden ein Heiliger. „Wir kämpftenden Kampf und haben gewonnen", mit diesen Worten schlofser seine Erzählung.
Sehr interessant war der Widerspruch, welchen er sowohlbei seiner Verherrlichung Cobdens als bei seiner Verteidigungder Gewerkvereine seitens des Geistlichen erfuhr. Dieser, wiezahlreiche seiner Berufsgenossen, bezeichnete sich als Socia-listen und griff die Gewerkvereine als konservative Institutionenan. Sie verlangsamten den Fortschritt und verhüllten jenes Ideal,dem der Mensch und insbesondere der Christ zuzustreben habe:das Reich der Gerechtigkeit auch auf Erden zu befördern,auch auf Erden ein Abbild des himmlischen Zion aufzubauen,dahin zu wirken, dafs der Wille Gottes nicht nur im Himmelsondern auch auf Erden geschehe. Davon aber könne keineRede sein, so lange eine breite Masse körperlich wie geistiggleich elenden Proletariats die Tiefen der Gesellschaft, insbe-sondere die Grofsstädte, erfülle; durch Not und sociale Iso-lierung sei es von allen höheren Regungen des menschlichenGeistes abgeschieden, durch Armut und Unsicherheit des Da-seins zu Verbrechen und Prostitution gezwungen. EineHebung dieser Kreise aber sei nur möglich durch allmählicheEinschränkung der Privatbetriebe und Ausdehnung der öffent-lichen Betriebe unter Kontrolle durch die Arbeiter. Damitallein würde der klaffende Unterschied zwischen Reich undArm beseitigt werden.
Es Avar interessant zu beobachten, wie dieser Ausdruckvon Gefühlspolitik unter den Frauen zahlreiche Anhängerfand. Besonders vertrat eine junge intelligente Weberin den