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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Werkzeugmaschine abgesehen von Gebäude und Triebkraft,80 bis 35 £ dar. Es zeigt sich also auch hier Ersatz derArbeit durch Kapital und damit Steigerung der Lebenshaltungdes Arbeiters.

Diese Bedeutung des Grofsbetriebes zeigt sich auch darin,dafs die Aristokratie der Arbeit in Macclesfield , abgesehenvon der soeben erst aufkommenden mechanischen Webereiin den Seidenspinnereien ihren Sitz hat, grofsindustriellen Unter-nehmungen, welche überlegen auf die sie umgebenden Weber-hütten herabschauen 1 .

Blicken wir auf das gesagte zurück, so können wir darausfolgende Bestätigung unserer oben entwickelten Ansichten ab-leiten.

1) Der Wochenverdienst und die Lebenshaltung der Ar-beiter ist in der englischen Baumwollindustrie etwa doppelt sohoch als in der Woll- und Kammgarnindustrie, in letzterer

1 Auch auf einem andern der Textilindustrie nahe verwandtenGebiete, welches bisher der Hoffnungslosigkeit preisgegeben schien,hat der einsetzende Großbetrieb nunmehr die Arbeitsbedingungen ge-bessert. Bekannt ist das Elend der Arbeiterinnen der Konfektions-branche und der Kleidermacherei. Seit etwa zehn Jahren hat sich inEngland auch dieses Gewerbszweiges der Grofsbetrieb bemächtigt unddrängt in Artikeln des Massenverbrauchs die Hausindustrie zurück.

In Heeds, dem Mittelpunkte dieser Grofsindustrie, bestehen heutegegen 20 Bekleidungsfabriken. Besuchen wir die gröfste derselben,so finden wir ein kolossales Fabrikgebäude, welches an die gröfstenSpinnereien Lancashires erinnert. 1350 Mädchen und 300 Männer be-schäftigt der Betrieb; bis 40 Tuchlagen werden durch die Zuschneide-maschinen auf einmal zugeschnitten, 10,000 bis 13,000 Anzüge werdendie Woche gefertigt. Alle Arbeit geschieht mit fortgeschrittenenMaschinen, von denen beispielsweise die Knopflochmaschinen einKnopfloch in 25 bis 30 Sekunden ausstofsen und mit dichten Stichenumnähen. Die Arbeiter, welche diese kostbaren Maschinen bedienen,sind nicht nur unter besseren Arbeitsverhältnissen (Ventilation u. s. w.)beschäftigt, sondern auch weit höher gelohnt als die ohne mechanischeKraft arbeitenden Näherinnen.