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Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
Entstehung
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mäßiger Nachfrage nach Fabrikaten, d. h. stabiler Produktions- undKonsumtionsverhältnisse, als ein enger, nationaler Markt mit einigenDutzenden von Millionen.

Gewiß ist die Möglichkeit zeitweiser Störungen des Außen-handels zu beklagen; aber sie ist das kleinere Übel, mit dem dieSicherung gegen größeres Übel erkauft wird.

Und dies kleinere Übel tendiert dahin, immer kleiner zu werde»,je mehr diekosmopolitische" Arbeitsteilung, die weltwirtschaft-liche Entwickelung fortschreitet. Denn: mit je mehr Völkern einVolk Verkehr treibt und in je mehr Gütergattungen es Verkehrtreibt, je weiter verzweigt der Außenhandel einer Nation ^) und jemannigfaltiger sein Inhalt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daßschlechte Chancen durch gute wettgemacht werden daß, wennhier ein Thor sich verschließt, dort sich eines öffnet; daß, wennim Absätze oder Bezüge gewisser Waren eine Hemmung ein-tritt, andere Waren mehr exportiert, bezüglich importiert werdenkönnen.

Für manche Völker steht heute das Risiko des Außenhandelsziemlich hoch. Vor allem für gewisse Kolonialstaaten mit ganz ein-seitig entwickeltem Verkehr.

So z. B. für Brasilien , in dessen Gesamtausfuhr der Kaffee weit-aus vorherrscht; eine beträchtliche, die Konsumtion stark herabdrückendeErhöhung des Kaffeezolles seitens aller Kaffee importierenden Staatenkönnte für Brasilien eine schwere, wenn auch vielleicht nur temporäreKrisis nach sich ziehen. In noch höherem Grade wie Brasilien alsGanzes ist der nördliche Teil der Republik, der Staat Amazonas ,durch die Gefahr eines Wechsels der Handelskonjunktur bedroht: dennhier hatdie Leichtigkeit der Gummigewinnung den Anbau von Zucker-rohr, Kakao, Tabak u. s. w. ganz in den Hintergrund gedrängt; solltedie Zufuhr von Gummi aus anderen Ländern nach den Verbrauchs-märkten größere Verhältnisse annehmen, wodurch die Preise dauerndgedrückt würden, oder sollten billige Ersatzmittel aufkommen, so stündengroße Verluste zu erwarten." ^)

Das wirtschaftliche Schicksal der Kolonie Mauritius hängt völligab vom Ausfall der dortigen Zuckerernte einerseits, vom Ausfall der

Die geographische Ausdehnung (des Handelsgebieles) vermindert dasRisiko" (Nasse).

-) Handelsarchiv 1898, II, S. 528.