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Reis- und Weizenernte Ostindiens — wohin die Hauptmasse desZuckers geht — andererseits.^) Gleiches gilt für einzelne westindischeKolonieen, wo das Volk „nichts kennt als sein Zuckerrohr", der Zucker-export 60—90°/<, des Gesamtexports beträgt.-)
Dagegen steht das Risiko des Außenhandels tiefer z. B. fürJamaika und Trinidad. Hier ist neben der Kultur von Zuckerrohr dieKultur von Kaffee, Kakao, Bananen u. f. w. emporgekommen, derenProdukte jetzt, wegen der Verbillignng der Transportkosten, „weiter ab-gelegene Märkte, wie Nordamerika und Europa , erreichen können".Dank der intensiveren Verflechtung in die Weltwirtschaftempfinden diese Kolonieen die Möglichkeit zeitweiser Störungen, dieaus der „Abhängigkeit vom Auslande" erwächst, nicht so stark wieManritius u. s. w.
Würden aber Brasilien, Amazonas, Mauritius richtig handeln,wenn sie — wie ihnen von protektionistischer Seite geraten wird —des hohen Risikos wegen diese „Exklusivität" in Produktion und Exportdurch staatlichen Druck zu beseitigen, durch Zölle oder sonstwie dasKapital zu bewegen suchten, daß es die einseitige Vorliebe für Kaffee,Gummi, Zucker überwinde und sich mehr der Erzeugung solcher Güterwidme, die bisher vom Auslande bezogen, mit Kaffee u. s. w. gekauftwurden — m. a. W, daß es mehr die nationale ArbeitsteilungPflege?
Gewiß nicht. Die Produktivität ihrer nationalen Arbeit steht be-züglich der Zweige, die sie jetzt vor allem behufs Exportes kultivieren,weit höher als bezüglich derer, die man ihnen auf Kosten jener zu be-treiben rät. Wie die Situation derzeit liegt, handeln sie richtiger,wenn sie um der Größe des Gewinstes willen das hohe Risiko ein-seitig entwickelten Außenhandels tragen. —
Fassen wir einige europäische Völker ins Auge. Für Griechen-land — in dessen Export Korinthen und Wein, in dessen Import dieCerealien vorwiegen^) — macht sich die „Abhängigkeit vom Auslande"stark fühlbar. Schlägt die Korinthen- nnd Weinernte fehl und schrumpftdamit der Export zusammen, so sinkt die Kaufkraft für das Brotkorndes Auslandes. Soll aber Griechenland etwa deshalb den „nationalen"Weizenbau bis auf die Höhe des Bedarfs hinaufschrauben? Dannwürde es wirtschaftlich noch schlechter fahren wie heute.
Schon geringer ist das Risiko für Italien , dank der größeren
') Handelsarchiv 1899, II, S. S18.2) Export 1898.
») Die Totaleinfuhr wertete (1896) 1l6 Millionen Drachmen, davon Ge-treide: 29,5 Mill. Die Totalausfuhr 72,4 Will., davon Korinthen: 23,6 Mill,,Wein: 6 Mill. (Handelsarchiv 1899, 1, 788/89).