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Lebensmittel, die sie jetzt nach den Industriestaaten senden, selbstverarbeiten und verbrauchen; und demgemäß würde in den Industrie-staaten von heute die Exportfabrikation wieder eingeschränkt, dagegendie Rohstoffproduktion wieder ausgedehnt werden müssen.
Knrz: das Ende vom Liede wäre, daß die Nationen, nachdemdas Zwischenspiel vorüber, wieder zurückkehrten auf den „stg.wsyao antea", d. h. den Zustand national-wirtschaftlicher Autarkie(s. o. S. 2).
F. List hatte einst gefordert: wie England , so sollten auch alleübrigen Kulturvölker der gemäßigten Zone durch eine planmäßige„Erziehung" aller produktiven Kräfte, auf die Staffel industriellerExportfähigkeit emporgehoben werden; nachdem dies geschehen, solltensie, einander so ziemlich ebenbürtig, auf dem Markte der Tropenkonkurrieren, als „Industriestaaten" ihre Fabrikate austauschengegen Lebensmittel und Materialien der Tropen, der „Rohstosf-staaten".
Jetzt wird behauptet: diese inzwischen eingetretene Differen-zierung in Rohstoff- und in Industriestaaten wird wieder auf-hören; dereinst werden alle Völker ihren Rohstoff- wie ihrenIndustriebedarf in der Hauptsache wieder selbst decken, dereinstdie „kosmopolitische" Arbeitsteilung selbst zwischen den Nationender gemäßigten Zone und denen der Tropen nur noch in be-grenztem Umfange statthaben — F. List habe sich geirrt; auchdie Industrialisierung der Tropeu stehe über kurz oder lang zuerwarten.
Ein nicht nur zeitweiser, sondern dauernder Rückgangdes in den letzten Jahrzehnten so mächtig angeschwollenen Außen-handels sei so gut wie gewiß, jedenfalls „mehr als wahrscheinlich"(Oldenberg).
Solchem Verlaufe der Dinge könnten nun die Rohstoff-staaten von heute gelassen zusehen — besäßen sie doch die Mate-rialien und die Lebensmittel, deren es zur Emanzipation vomFabrikatenimport des Auslandes bedürfe. Hier würde der Rückgangdes Außenhandels glatt und schmerzlos sich vollziehen.
Nicht so in den Industriestaaten. Müsse schon die Wieder-einschränkung der Exportfabrikation mit großen wirtschaftlichen Ein-