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Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
Entstehung
Seite
57
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Form derlatenten Fremdherrschaft" ein Ende setzen würde: dieForderung, daß die Machtsphäre des deutschen Reiches auf Länder zuerweitern sei, die Brotkorn und sonstige, auch bei uns produzible,Bodenerzeugnisse spenden können, so würde die Freundschaft in bittreFeindschaft sich wandeln.

Für Oldenberg wie für die Weltmachtpolitiker wäre es einZiel aufs innigste zu wünschen", daß etwa Argentinien oder Canadaoder sonstwelche große, Korn und Fleisch produzierende Staatenso viel produzierende, daß dank ihrer Mitwirkung der ganze BedarfDeutschlands gedeckt werden könnte in Besitz oder wenigstensnnter Kontrolle unserer Nation kämen. Dann würde, um mitP. Voigt zu reden, unser Volkruhig schlafen können", da es danndie Grundlagen seiner Existenz, den Boden, ans dem sein Getreidegebaut wird, und sein Vieh weidet, politisch beherrschte", dieelemen-tare Selbständigkeit" (Oldenberg) bezüglich der unentbehrlichenLebensmittel voll sich errungen hätte.

Den Agrariern dagegen könntenichts Fataleres passieren", alswenn jener, wie oben gesagt, phantastische Traum in Erfüllung ginge,als wenn uns z. B. Jemand ganz Amerika oder Australien schenktesie Würden's höflich sich verbitten, wenn man ihnen nicht für alle Zeitgewährleistete, daß dienationale" Arbeit der deutschen Landwirte desMutterlandes durch ausreichende Zölle vor der Konkurrenz dernatio-nalen" Arbeit der deutschen, oder wenigstens Deutschland politischangegliederten" Landwirte in Übersee geschützt werden werde.

Das Programm derSelbständigkeitspolitik", beruht, wie obengesagt, auf zwei Behauptungen, die, so eng sie auch sich verschlingen,doch getrennt erörtert werden müssen; erstens (^.) ist zu prüfen,ob dem Fabrikatenexport, zweitens (L) ob dem Lebensmittelimportder Industriestaaten ein dauernder Rückgang bevorstehe?

^. Der Fabrikatenexport.

Wir uehmen hier zunächst an (I), es sei gewiß, daß die In-dustrialisierung der Rohstoffstaaten von heute eine rückläufigeBewegung der Exportindustrie der Industriestaaten zur notwendigenFolge habe. Die Frage, ob diese Annahme richtig oder falsch, wirduns später (II) beschäftigen.

I. Selbst wenn die Behauptung: mehr nationale Industriedort, weniger Exportindustrie hier, voll und ganz zuträfe, so wäredoch unsernSelbstgenüglern" keineswegs zugegeben, daß um dieser,