Form der „latenten Fremdherrschaft" ein Ende setzen würde: dieForderung, daß die Machtsphäre des deutschen Reiches auf Länder zuerweitern sei, die Brotkorn und sonstige, auch bei uns produzible,Bodenerzeugnisse spenden können, so würde die Freundschaft in bittreFeindschaft sich wandeln.
Für Oldenberg wie für die Weltmachtpolitiker wäre es ein„Ziel aufs innigste zu wünschen", daß etwa Argentinien oder Canadaoder sonstwelche große, Korn und Fleisch produzierende Staaten —so viel produzierende, daß dank ihrer Mitwirkung der ganze BedarfDeutschlands gedeckt werden könnte — in Besitz oder wenigstensnnter Kontrolle unserer Nation kämen. Dann würde, um mitP. Voigt zu reden, unser Volk „ruhig schlafen können", da es dann„die Grundlagen seiner Existenz, den Boden, ans dem sein Getreidegebaut wird, und sein Vieh weidet, politisch beherrschte", die „elemen-tare Selbständigkeit" (Oldenberg) bezüglich der unentbehrlichenLebensmittel voll sich errungen hätte.
Den Agrariern dagegen könnte „nichts Fataleres passieren", alswenn jener, wie oben gesagt, phantastische Traum in Erfüllung ginge,als wenn uns z. B. Jemand ganz Amerika oder Australien schenkte —sie Würden's höflich sich verbitten, wenn man ihnen nicht für alle Zeitgewährleistete, daß die „nationale" Arbeit der deutschen Landwirte desMutterlandes durch ausreichende Zölle vor der Konkurrenz der „natio-nalen" Arbeit der deutschen, oder wenigstens Deutschland „politischangegliederten" Landwirte in Übersee geschützt werden werde. —
Das Programm der „Selbständigkeitspolitik", beruht, wie obengesagt, auf zwei Behauptungen, die, so eng sie auch sich verschlingen,doch getrennt erörtert werden müssen; erstens (^.) ist zu prüfen,ob dem Fabrikatenexport, zweitens (L) ob dem Lebensmittelimportder Industriestaaten ein dauernder Rückgang bevorstehe?
^. Der Fabrikatenexport.
Wir uehmen hier zunächst an (I), es sei gewiß, daß die In-dustrialisierung der Rohstoffstaaten von heute eine rückläufigeBewegung der Exportindustrie der Industriestaaten zur notwendigenFolge habe. Die Frage, ob diese Annahme richtig oder falsch, wirduns später (II) beschäftigen.
I. Selbst wenn die Behauptung: mehr nationale Industriedort, weniger Exportindustrie hier, voll und ganz zuträfe, so wäredoch unsern „Selbstgenüglern" keineswegs zugegeben, daß um dieser,