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Fassen wir das Gesamtbild des englischen Exports ins Auge^), sogingen (1896) britische Produkte nach Europa im Werte von 88,9 Mill. F— davon nach Deutschland, Belgien, Holland, Frankreich zusammen52,5 Mill. F, d. h. die überwiegende Quote nach den industriell ent-wickeltsten Landern. Nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas imWerte von 20,4 Mill.; nach Britisch-Nordamerika (5,8), Australien (21,9), Kapland (10.7) zusammen etwa 38 Mill.; nach Britisch-Jndien30,1 Mill. Der Export Englands nach jenen industriell entwickeltstenLändern Europas plus dem nach den Vereinigten Staaten von Nord-amerika ist also — im Betrage von etwa 73 Mill. (52,5-4-20,4) —noch um etwas höher als der Export nach den wichtigsten britischenKolonien. Deutschland, Holland, Belgien zusammen beziehen beträchtlichmehr britische Produkte (ca. 38 Mill.) als Britisch-Jndien (30,1 Mill.)mit seiner Bevölkerung von 300 Millionen; ungefähr gleich vielwie Canada, Australien , Kapland zusammen.^)
Man mag den Verkehr, den die Industriestaaten untereinanderzur Deckung ihres eigenen Bedarfs Pflegen, etwas höher oder etwasniedriger anschlagen; ganz exakte Berechnuugen siud, des Transit-Verkehrs halber, überaus schwierig.^)
!) Vgl. die Tabelle bei Arndt. S. 31.
2) Auch Graf Posadowski teilt den populären Irrtum, als ob „England bezüglich seines Absatzes in der Hauptsache auf seine Kolonien angewiesen sei"(vgl. dessen Rede auf der Plenarversammlung des deutschen Handelstages,2. März 1899).
°) Auf den Einwand Webers (f. o. S. 76) hatte Oldenberg repliziert:der englische Außenhandel bedeute „wahrscheinlich zu sehr großem Teil nurdie Vermittelung von Waren"', die Deutschland u. f. w. in letzter Linie nachfernen Ländern ausführen, da England sich „für den eigenen Industrie-bedarf vorzugsweise selbst versorgen dürfte" (Verhandlungen, S. 126).Arndt meint dagegen, daß „etwa '/g der in England eingeführten Waren imLande selbst konsumiert werden, nur ^/g weiter geht" (a. a. O. S. 31—34).
Ganz so hoch würde ich die Qnote, welche von Englands Gesamteinfnhrwirklich im Lande selbst konsumiert wird, nicht schätzen. Arndt betont z. B,bezüglich des Zuckers, des „allerwichtigsten Artikels" des deutschen Importsnach England, daß England in Summa für 2V Mill. >F einführe, dagegen nurfür etwas mehr als eine halbe Mill. ^ wieder ausführe (S. 33). Aber Eng-land exportiert doch viel Zucker in Gestalt von Konserven — ob der so ex-portierte Zucker „nur ein sehr kleiner Teil der im Jnlande verbrauchten Mengeist", wie Apelt (a. a. O., S. 74/75) schreibt, wäre doch erst noch zu beweisen.
In einer jüngst erschienenen Schrift über „die Handelsbeziehungen Deutsch-lands zu England und den englischen Kolonien" (1899) berechnet Arndt, daßvon den in der deutschen Statistik angegebenen Zahlen über den Umfang desHandels Deutschlands mit England , auf der Einfuhr- wie der Ausfuhrseite,etwa 100 Mill. Mark für den von England vermittelten Handel Deutsch -