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Gerste, Zuckerrüben, Kartoffeln, Flachs, Holz, Blei, Kupfer, Zinn,Zink u. s. w.
Beträchtlich größer ist die Differenz zwischen Westeuropa unddem übrigen Europa . Noch weit größer die Differenz zwischen denLändern der gemäßigten Zone und denen der Subtropen undder Tropen, deren industrielle Konkurrenz das Kassandraauge unsererExportpessimisten schon am Horizont erblickt!
Die Doktrin F. List's, daß es die natürliche Bestimmung derTropen sei, den Ländern der gemäßigten Zone die Rohstoffe zuliefern und sich von ihnen mit Fabrikaten versorgen zu lassen —diese Doktrin, die zur Zeit des Aufkommens des Jndustriestaats-programms aufgestellt wurde, erklärt Oldenberg für „längst nichtmehr haltbar" ... „heute wirft sie schon das tropische Indien mitseiner, trotz aller Mißwirtschaft erstarkenden Großindustrie überden Haufen; die tropischen Länder liefern außer Rohstoffen auchselbst Fabrikate.")
Und E. v. Halle schreibt: in der heißen Zone wachse „fastAlles, was der moderne Mensch für die Befriedigung seiner Be-dürfnisse an organischen Stoffen gebraucht, während die gemäßigteZone eine Reihe wichtiger derartiger Produkte zu zeitigen nichtgestattet: z. B Baumwolle, Seide, Reis, Kaffee, Thee, Tabak, zahl-reiche Chemikalien, Arzneistoffe u. s. w."; die List'sche Theorie, dergemäß „ein ewig fruchtbarer Tausch zwischen den Zonen gesichert"war, sei dadurch widerlegt, daß die Tropen „anfangen Industriefür den heimischen Bedarf zu treiben".^) In einem Vortrageauf dem Berliner Geographischen Kongreß von 1899 soll er^)zum Beleg auf Indien (Baumwollspinnerei), China u. s. w. hin-gewiesen haben, wo große Gewerbszweige bereits entstanden seien,bezüglich bald entstehen würden; die Eisen- und audere Industrienseien, wie die Ethnographie uns lehre, aus der heißen Zone ge-kommen; die neue Technik habe den Industriebetrieb in den meistenGebieten der Tropen ermöglicht — nur nicht in allzu feuchten
2) E. v. Halle, Sociale Praxis, 1899, S. S5K.
°) Mir liegt nur das ganz knapp gehaltene Referat im Export, 1899,S. 587, vor.