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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
Entstehung
Seite
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Rittergut und Bnucrulaud, Grnvcll.

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das Obertribunal aber fand besondere Gründe, ihn abzuweisen undden Bauern ihren Besitz zu erhalten. In ähnlicher Weise gebotdas Breslauer Oberlandesgericht der Begehrlichkeit eines schlesischeuMagnaten Einhalt; aber es bedürfte immer besonderer Umstünde,um die Banern, deren Güter 1816 für nicht regulierbar erklärtwaren, in ihrem Besitz zu erhalten, wenn es dem Gutsherrn be-liebte, sie zu verdrängen. Dieser Kampf zwischen Rittergut undBauernland vollzog sich an jedem Orte in besonderer Weise. Hiergab der Charakter der Beteiligten, dort die wirtschaftliche Lage An-laß zu schrofferer Ausnutzung des Ediktes von 1816, aber ehe wirnicht eine größere Reihe von Darstellungen dieses Vorganges aufeinzelnen Gütern und Dörferu erhalten, ist es unmöglich, miteiniger Sicherheit ein ausführlicheres Bild zu entwerfen. Indeslassen doch schon die Akten eines Prozesses gegen den Administratorder einer milden Stiftung gehörigen Güter in den Dörfern Grötzschund Pranitz im Kreise Kottbus die Hauptzüge weuigsteus einerSeite dieser Zustünde erkennen.

Ein alter Kossäte, der Soldat gewesen war, machte den Wort-führer der Bauern, neben ihm die Schulzen der Dörfer. Sieweigerten sich, gewisse Dienste zu leisten, die der Administrator, derRegiernngsrat Grävetl, forderte. Grävell war ein Mann von um-fassender Bildung, der auch in seinen Berichten die Dinge gernund bisweilen selbst bis zum Übermaß in einem größeren Znsammen-hange zu betrachten pflegte. Er hatte sich 1813 um die Bildungder Landwehr und des Landsturms Verdienste erworben, mit Aus-zeichnung den Feldzug mitgemacht und dann in Schriften die Not-wendigkeit der Preßfreiheit und einer konstitutionellen Verfassungempfohlen. Er gehörte also im ganzen den Eiferern um die Reforman, und er hat sicher auch den Bauern gegenüber uichts gefordert,als wozu er glaubte verpflichtet zu sein, um die Rechte der ihmanvertrauten Stiftung zn erhalten. Der Widerstand der Bauernreizte dann seine Thatkraft. Er wollte Ordnung schaffen, schritt mitPfändungen ein, legte harte Strafen auf unpünktliches Beginnenmit der Arbeit, setzte den Schulzen ab, zwang einen anderen Bauern,das Amt zu übernehmen, widrigenfalls er ihn von seinem Hofeausweisen würde, und dem Sprecher ließ er (August 1815) wegen