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behelligt, welche die approbierte Form des monarchischen Sinnesund die regierungsseitig verordnete Frömmigkeit eindrillen sollten,und manche Verordnung des Ministers Alten stein und seineseinflußreichen Rates Johannes Schulze schien die Selbständigkeitder Lehrer und Direktoren einzuschnüren: aber das geschah dochlange nicht mit jener Gleichmäßigkeit und jenem Nachdruck, mitdem sich die Vielregiererei heute an den höheren Schulen ver-sündigt. Im ganzen hatten die Lehrer und Direktoren, soweit sienur selbst echte Träger wissenschaftlichen Geistes waren, Freiheit,die Jugend in die Werke der großen Alten und in die Schulevorurteilslosen und strengen Denkens einzuführen. Das hat nochspäter Ludwig Wiese , der einflußreichste unter den Nachfolgernvon Johannes Schulze, mit Recht behauptet, und die Biographieenhervorragender Schulmänuer dieser Periode wie die Erinuerungenihrer Schüler beweisen es. Der mächtige Aufschwung der histo-rischen Studien, und noch mehr der Naturwissenschaften, der heiligeEifer, der dieses Geschlecht beherrschte, die Rätsel der Welt in philo-sophischer Spekulation zn lösen, der ganze starke Wellenschlag desin seiner Tiefe bewegten Lebens der hochbegabten Generation be-rührte auch die Kreise der Regierung. Johannes Schulze hat alsvortragender Rat im Kultusministerium 1819—21 zwei Jahrehindurch täglich in zwei Abendstunden die Vorlesnngen Hegels besucht und bis zn Hegels Tode <1831) in herzlicher Freundschaftnnd geistiger Gemeinschaft mit ihm gestanden. Auch der MünsterAltenstein schätzte Hegel sehr hoch, gestand aber, daß er bei denphilosophischen Anschauungen seines Freundes Fichte stehen ge-blieben sei. Hegel hatte die Gewalt und Wahrheit der GedankenFichtes erlebt, aber er glaubte ihre Schranken zu erkennen und zuüberwinden. Man hat das so ausgedrückt, daß er die SpiuozistischePhilosophie mit Fichtes Spekulation zu versöhnen unternahm, demSubjektivismus Fichtes dadurch dauernden Wert geben wollte, daßer das Subjekt, den Einzelnen, als Manifestation der Substanz,des Ewigen, Gottes, faßte. Wie die Romantiker stellte er sich da-mit der Oberflächlichkeit der Aufklärung gegenüber, aber indem erdas Absolute nicht wie Schelling in den Formen der intellektuellenAnschauung zu ergrciscu suchte, souderu iu der Form der logisch