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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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K, F. Lessing .

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den Vordergrund stellte, einen Maler von dem Selbstgefühl undder Kühnheit Lessings dahin lenken müssen, nach einem Gegengewichtgegen die katholisiereude Richtung zu suchen, die von Schadowausging uud der seine Berliner Freunde sich nur schwer entwanden.Mau wurde der Trauernden bald satt. David Friedrich Strauß hieltBcudemaun den Hiob Wächters entgegen und fand keinen Fortschrittin den zwanzig Jahren, die zwischen beiden Bildern liegeu. Das sindauch trauernde Juden, sagt er, die aber Funken aus dem Geisteschlagen, nicht ihn in ein katzenjämmerliches Hinbrüten versenken,aus dem er sich mit Mißbehagen aufrütteln muß. Lessing malteseine Hussitenpredigt; sie wurde der Anfang einer Kunst, die mausür protestantisch und für liberal hielt, weil sie antikatholisch war.Wie die Ziele der Dichtung des Jungen Deutschlands lagen jeneder Malerei Lessiugs außerhalb der Kunst, uud zwar im öffentlichenLeben oder, wie man damals sagte, in einer Tendenz. Damit greiftsie in ein neues Gebiet hinüber nnd weist auf das eigentliche Schlachtfeld der folgenden Zeit hin. Hatte man die Beschauer gelehrt, denGedanken im Bilde zu suchen, so fanden sich jetzt der Gedanken-leser nur allzuviele. Der Kritik war ein unendlich weites Feld er-öffnet, einer Kritik, die im Recht war, wenn sie den Inhalt überdie Kunst stellte, weil sie somit des Künstlers eigenen Wunsch er-füllte. Vor Lessings Hußbildern focht man geschichtliche Geistes-schlachten aus, nicht indem man den künstlerischen Wert des Bildes,sondern indem man Huß' Bedeutung für die kirchliche und nationaleEntwickelung zum Gegenstande des Streites wählte. Namentlichvon katholischer Seite war man im höchsten Grade empört darüber,daß es so aus dem Kunstwald heransschallte, wie man so lanthiueingernfen hatte.

Die wenigsten freilich unter den Düsseldorfern begaben sichauf dieses Kampfgebiet. Ihre Vorsicht schaffte ihnen die Anerkennungaller, die sich für besonnen hielten, endlich allseitigen Ruhm. Gabes ja geuug Gedanken, die allen Parteien gemeinsam waren. Diesegalt es zu finden. Der dauernde Erfolg der Meister der Düssel-dorfer Schule steht freilich im umgekehrten Verhältnis zn demGeiste, den sie in. ihre Bilder legten. Gerade ihre Gedanken-malerei ward zuerst begraben. Die Gefeiertsten aus der Zeit vor