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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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V. Die Romantiker.

sechzig Jahren sind dahin gegangen ohne deutliche Spuren ihresWirkens zu hinterlassen, außer daß noch ein paar greise Künstlersich jener Zeit ihres Blühens als einer großen, glänzenden erinnern.In weiteren hundert Jahren wird man Julius Hübner inseinen besten Bildern vielleicht für einen Enkelschüler von Mengshalten, den er selbst freilich als ein schwaches Aufleuchten deutscherKunst, eine Nachblüte der bolognesischen Schule uahm; dem Mengsist er aber an Können und malerischer Kraft uicht gleichwertig,sondern nur verwandt in der akademischen Absicht auf Nach-ahmung der italienischen Knnst. Mengsens Farbigkeit hat er nurin wenigen glücklichen Stunden erreicht. Zumeist ist er kalt unddürstig auch im Ton. Mir steht er lebhaft in der Erinnerungals Dresdener Galerie- und Akademicdirektor, ein vornehmerMann von kühlem, festem Auftreten, leider etwas klein vonGestalt, aber mit selbstbewußter Haltung des mächtigen Kopfes.Und so hielt er Hof an seinen Theeabenden in stattlichen Räumen,an deren Wänden seine schon längst unverkäuflichen, gespenstigbleichen Bilder hingen: Friedrich der Große in hohem Alter ineiner Kirche sitzend, einen letzten Sonnenstrahl auf der Stirn, jenemberühmten Glanzlicht, das den Realismus markierte; Kaiser Karl V.iu S. Duste, und ich weiß nicht welche ihre vergangene Blütezeitbetrachtende, nachdenklich trauernde Helden. Hübner aber trotztedem Ende semer Herrlichkeit mit wohlgesetztem Wort und sicheremBlick aus den ernsten Augen.

Was noch in der allgemeinen Wertschätzung von den Düssel-dorfern sich erhielt, das ist die gemeine Kunst, jene, die arm anGedanken ist, die Landschaft und in gewissem Sinne die Genre-malerei. In seinen späteren Lebensjahren sah Schadvw diesen Feindseines Programms heranwachsen und suchte ihn zu bekämpfen. Erwurde streuger in seinen katholischen Fordernngen, seinen religiösenAnschauungen; er bevorzugte die Historienmaler, suchte die Dar-steller des Unbedeutenden von sich abzuschütteln. Es gelang ihmnicht, sie niederzuhalten. Die gesunde sinnliche Kraft des deutschenVolkes, der Rheinländer war nicht in die gebildeten Formen desBerliners zu presse». Sie malten, was sie sahen und wie sie sahen.Und wenn sie sich auch noch uicht losreißen konnten von der