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VI. Die histvrische Schule.
Lasdgnc sagt: Das Genie ist eine Nervenkrankheit! Börne hatdas schon vor ihm ausgesprochen, indem er höhnt: Ein Talentist eine große, sette Gansleber, es ist eine Krankheit; der Leberwird das ganze arme Tier geopfert! Nach ihnen haben sich vieleIrrenärzte mit den, Wesen des schaffenden Geistes abgegeben,viele, die hofften, ihn in den mechanisch geknüpften Netzen ihrerGelehrsamkeit einznfangen, so daß man ihn auf den Tisch legenund mit Behagen untersuchen kann. Sie haben ihn nicht zurStrecke gebracht: das Geheimnis der Grenze zwischen hohem uudkrankem Geist ist nicht aufgedeckt. Aus dem Gleichschritt der ge-sunden, musketkräftigen Menge muß aber wohl von Zeit zu Zeitein Querführcr hervortreten, denn der Weg der Kunst geht nichtgeradeaus. Sie ist kein ständiges Fortschreiten, sondern ein immerwieder neues Einsetzen. Und wenn eine noch so breite Straßeins Dürre führt, muß einer kommen, der andere Stege weist.Und das ist fast allemal ein solcher gewesen, der nicht nur Faust,Herz und Hirn in das Schaffen einsetzte, sondern auch znm Reißenangespannte Nerven. Auch die Krankheit ist ein Glied in derEntwickelung der Menschheit! Wie oft hat sie die Gesunden über-wunden, ihren Körper wie ihren Geist; wie fest hat sie sich in dasSein der Geschlechter eingenistet, als ein Teil ihrer ererbten nnderworbenen Eigenschaften!
Dem Nethel seien unter den Düsseldorfern noch die Hand-festen, Gesunden zur Seite gestellt, die Schlachtenmaler. Ans ihrerZahl will ich einen Künstler herausgreifen, den ich selbst nochkannte als einen klaren, schlichten Manu von ganz außerordentlichlebhast deutschem Empfinden, einen warmherzigen, eng mit seinemVaterland Verflochtenen: Georg Bleib treu, den Herold despreußischen Waffenruhmes; also den Maler, der Preußen iu seinemBesten, Ruhmvollsten, für Deutschland Segensreichsten, in seinemHeere darzustellen unternahm; nnd zwar in einer Zeit, da der Mili-tarismus von jedem Gebildeten als Feind der Freiheit bekämpft, dieRoheit der Soldateska überall verdammt nnd als die wahre That dieam Schreibtische gefeiert wurde. Des Malers Sohu, der bekannteSchriftsteller Karl Bleibtreu , hat über seinen Vater geschriebenund ans Adolf Rosenberg , als den Mann mit vollem Verständnis