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mit Zagen an seinen Fresken im Rathäns zn Aachen jedes LassenWitz über seine halbfertige Arbeit zu Herzen nimmt — man warthöricht genug ihn immer wieder durch müßige Neugier stören zulassen — während er mit unnötiger Aufregung die ihm, dem Pro-testanten, im frommen Aachen eifrig zugeteilten Neckereien derKatholiken ausnahm, schus er im Kops des Kaisers die gewaltigeRuhe des Todes: eiu Riesenwerk an Einfachheit uud Größe, anStimmung bei bescheidenster Farbe. Und während ringsum diebürgerliche Gesellschaft den: Kamps gegen den Despotismus zu-jubelte, wutkocheud den Sieg der Reaktion ertrug, zeichnete erseinen Totentanz, das einzige wahrhaft künstlerische Werk, dasdem Ringen von 1848/49 seine Entstehung verdankt. Es ist imSinne der Reaktion gehalten; der Tod als Verführer der Menschen-massen, als Vernichter, als Feind des Lebens und des Friedens.Und dann zwei Zeichnungen Der Tod als Freund und Der Todals Feind. Sie sind Volksbtätter geblieben, sie sind das Größte,was die deutsche Romantik hervorbrachte, die beiden Endpunkte derZeitnervosität: die Ruhe uud das Grausen, beide vereint im Tode!
Vier Jahre, nachdem er den Totentanz gezeichnet, hatte derum den Erfolg mit der Welt und um seine Kunst mit sich selbstschwer Ringende eine glückliche, seine Zukunft sichernde Heirat ein-gegangen; die Spannung in ihm löste sich. Da brach der Irrsinnbei ihm aus. Bizarr hatte man ihn genannt. Li/^ariia heißt derZorn, aber jener, der plötzlich, nnbegreiflicherweise auffährt, dergrillige, launenhafte Zorn. Bei uns und im Französischen wirddas Wort bizarr nur «och im Begriffe launenhaft, absonderlich,närrisch benutzt. Die Beurteiler Rethels waren also so übel nichtberaten, als sie ihn bizarr nannten; die Geschichte seines Lebenshat ihnen nur zu traurig recht gegeben. Drübeu in Frankreich starb Delacroix an Nervenschwäche; sein künstlerisches Wirken warder Nervenanreiz gewesen. Hier in Deutschland starb Rethel imIrrsinn; seiu Wirken war das sehnliche Grauen vor dem letztenFrieden gewesen. Die Natur erfüllte ihr Werk im Kampfe gegenden sich auslehnenden Geist. Aber es bedürfte des Kampfes, umdie Kunst wieder mit dem Leben zu verknüpfen. Es bedürfte derzornigen, grilligen, bizarren Künstler. Der französische Gelehrte