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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

überholt, aber sie haben doch die Fahne im Kampfe getragen, eheRaschere vornusstürmend sie ihnen entrissen.

Noch einer: Alfred Rethel . Er ist jung im Irrsinn ge-storben. Was er schnf, erlangte anßer bei den Künstlern nurwenig augenblickliche Anerkennung. Man empfand es, einem be-deutenden Manne gegenüber zu stehen, aber man wußte noch nichtrecht, wie seiner Knnst geistig nahe zu kommen sei. Schon beimersten Werk Bonifacius predigt den Deutschen ward dem Frühreifendie naturalistische Darstellung im einzelnen, das bestimmte Strebennach wirklicher wahrer Darstellung des Porganges nachgerühmtoder vorgeworfen wie man will. Später kam das Wort überseine Knnst auf, sie sei bizarr, die Charakteristik sei vom Geiste desGegenstandes aus auf die Spitze getrieben, rücksichtslos gegen alleskünstlerische Herkommen, gegen die Grundsätze des schönen Stilesund des kunstmäßigen Aufbaues, lediglich ein Ergebnis feiner eigen-willigen Auffassung der geschichtlichen Begebenheiten und Menschen.Das Eigentümliche, Sonderbare, Unheimliche, Ahnungsvolle, Grauen-hafte, Gespenstische seiner Kunst trat den Beschauern alsbald mitgewaltiger Wucht entgegen. Als ein Befremdendes wirkte es zu-meist feindselig. Auch die Art zu zeichnen, das breite Zusammen-halten der Flüchen, die eigentümliche malerische, dem Umriß gegen-über minder um Weichheit besorgte Linie wirkten abstoßend. Manwar zu sehr den Düsseldorfer Zncker gewohnt, um plötzlich hartesBrot kauen zu können. Rethel ist kein Pariser , er lebte in stillendeutschen Städten, in Frankfurt am Maiu, Dresden, Aachen ,von denen der aus Paris kommende Heine sagt, die Hunde bätendort den Wanderer um einen Fußtritt, damit sie sich eiu wenigzerstreueu. Rethel ist kein Delacroix, kein Freund der lärmendenFreiheit, er ist ein innerlich mit Grauen iu vie Vergangenheit wiein die Zukunft Schallender; eine ernste, abgeschlossene, urdeutschschwerlebige Seele, die das Schicksal der Welt schaudern macht;die ihre Größe, ihre schreckliche Gewalt auf sich eindringen sieht.Er malt vor allem den Tod; den Tod in jeder Gestalt, wie ernaht, wie er hereinbricht, was er hinterläßt. Der gewaltigen Offen-barungen seines erschütterten Gemüts sind viele: So Karl der Große im Grabe thronend. Hier wird Rethel Maler; während er sich