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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

gegen diese Wildlinge an seiner Schule hatte zum Siege geführtund zwar nicht ohne Gewaltmittel. König Ludwig I. hatte dierealistische Schule des Langer einfach bei Seite gedrückt, sie nurzu Arbeiten herangezogen, die Cornelius weder selbst, uoch durchseiue Schüler ausführen mochte; nur zu den von der Ästhetik alsuntergeorduet aus den höheren Kreisen des Schaffens verbanntemTeichleiu nannte 18S2 die Schule Langers die der absolutistischenHerrschaft des Naturalismus. Er sah, daß die Ölmalerei zudiesem hiudräuge, während im Fresko der Stil begründet war. Erschmähte daher aus die Ölmalerei als das Uuivcrsal-Uukraut derletzten Jahrhnuderte, das man ausjäten solle. Und das sprach derFreuud Kaulbachs aus, des Mannes, der selbst Cornelius gegen-über den Vorwurf des Realisten tragen mußte, der sich nicht ver-sagte, selbst den Pinsel in Ölfarbe zu tauchen. Aber auch er legte,seit ihn Piloty in der Kunst des Malens glänzend überholt hatte,auf den als national gefeierten idealen Stil sein Hauptgewicht.Piloty aber hielt ihm die Farbe entgegen, die durch Kopieren derAlten erlangte Knnst des Halbduukels, des malerischen Zusammeu-halteus einer ganzeu Fläche in einem Gesamtton, das Hinarbeitennicht aus die Leuchtkraft jeder Eiuzelfarbe, wie mau sie den Künstlerndes fünfzehnten Jahrhunderts uud den alten Deutschen abgesehenhatte, sondern den Hinblick auf die Fortschritte, die Tizian, Correggio ,Nubeus, Nembraudt der Malerei gebracht hatten: also das entschiedeneUmschwenken zu der Zeit, welche seit den Prürafaeliten als Verfallgalt, das Wiederanknüpfen an die Kunstanschauungen von Mengs,vermittelt durch Langer, die beginnende Überwindung des vor-wiegend zeichnerischen Kartonstiles, der auf Carsteus zurückging undin Cornelius seinen Höhepunkt erreicht hatte.

Pilotys Verdienst, sagte Bischer 1860, wird bleiben, daß erzuerst im großen uud nnt wirklicher Beherrschung der Kunstmitteldasjenige in München einbürgerte, was vor Jahren die Belgierwieder in Erinnerung gebracht hatten: das volle Bild der Er-scheinung, die eigentliche Malerei. Allein die deutsche Art wird,auch nachdem sie sich dieser Mittel in ihrem ganzen Umfang be-mächtigt hat, doch immer dahin neigen, dieses Verfahren dem ge-schichtlichen und dem reinen Sittenbild vorzubehalten; sie wird im