Kritische Stimmen. —
Das Studium der ciltcu Meister.
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denkmalartigen Geschichtsbilde, der „monumentalen Historie", diesarbige Seite mit freiem Verzicht beschränken nnd die großen Zügedes Inhalts durch die markige Kraft der vorherrschenden Zeichnungvorführen. Das war damals noch die bei den eigentlichen Kennernvorwiegende Ansicht. Man konnte sich noch nicht damit befreunden,dem Realismus seiu Recht auch in der höchsten Kunst einzuräumen,man zirkelte noch eineu Platz ab, in welchen er nicht eindringen solle.Diese Ansicht war eine Vorahnung der Gegner der Pilotyschule,wie sie in Anselm Fenerbach und Hans von Marses hervortraten.Unstreitig, sagt Pecht, der als Maler seine Lehrzeit in Paris durch-gemacht hat, war der Weg Pilotys nicht neu, die Sittenmalerwaren ihn immer gegangen, „Nur französisch Gebildeten" auch.Keiner habe aber, führt er fort, die Grundsätze zu ihren äußerstenFolgerungen getrieben und es mit so viel Geschick und Thatkraftgethan; keiner einen so vollen Schnlsack mitgebracht. Und Pechthat ganz recht: Pilotys Kunst ist die Wiederaufnahme dessen,was das achtzehnte Jahrhundert im Haschen nach dem antikenIdeal von sich geworfen hatte. Mit ihm beginnt das erneuteLernen und Anknüpfen an die bisher verschmähte Vergangenheit.In diesem Zuge gerade ist der Schwerpunkt der Münchener Piloty-schule zu suchen, durch ihn wurde sie abermals die leitende inDeutschland . Die Verknüpfung mit der Vergangenheit, die derKlassizismus zerschnitten hatte, wurde in München znm gefeiertenSchlagwort. Man sammelte von nun an wieder Unserer VäterWerk, man nahm die Technik, nach Kräfteu deu Gedankeninhalt derVergangenheit auf und suchte diese künstlerisch fortzusetzen. Das warein so durchschlagender Gedanke, daß sich keine Stadt Deutschlands ihm verschließen konnte. Er griff durch die ganze Welt, er fandaber in München seine stärkste Wnrzel. Das erneute Lerueu vonder Vergaugeuheit wurde unterstützt durch die bequemere Zugäug-lichkeit der aus den Schlössern der Fürsten in öffentliche Museeuübergeführten alten Werke, dnrch die Möglichkeit raschen undbilligen Verkehrs nach den Kunststädten, durch die gewaltig an-wachsende Vervollkommnung der Vervielfältigungsmittel. Der Stein-druck war eiu Anfang gewesen; Piloty war in seiner Benutzung znrWiedergabe alter Kunstwerke herangewachsen; die Photographie gab