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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

erst recht die Möglichkeit, gute Nachbildungen der Meisterwerke allerZeiten zu verewigen! die Kunstgeschichte war mit allen Kräftenbemüht, sie zu sichten, ihren Wert zn erläutern, ihre erneuteWirkung aus die Nation vorzubereiten, die Bedingungen ihresEntstehens klar zu legen. Die Photographie war es anch, dieebenso wie Kaulbach uuu auch das heranwachsende Malergeschlechtdarin unterstützte eigenen Ruhm zu erlangeu, seine Werke in derNachbildung allen zugänglich zu machen. Senefelder, der Er-finder des Steindruckes wurde ein Anreger weit über desfenSchaffensgebiet hinaus: aus seiner Schule gingen die, Männerhervor, die die großen Münchener Kunstaustalten gründeten: FranzHanfstnengl, der die Dresdener Galerie in Steindruck veröffentlichtennd dann in München ein galvanographisches, später das berühmtephotographische Geschäft gründete, Friedrich Bruckmann n. a. m.

In der Mitte der fünfziger Jahre begann Pilotys Wirkensiegreich einzusetzen. Alsbald wurde er der Mittelpunkt des mitKaulbach unzufriedenen Kreises, das heißt jener, die von der bis-herigen deutschen Art zur sranzösischen hinüberschwenkten. Sein vorWallemteins Leiche, Wallenstein ans der Reise nach Eger an einemGottesacker in der Sänfte vorbeigetrageu, Nero beim Brande vonRom und andere Bilder grausigen Inhalts folgten sich. Schwindfragte höhnendi Herr Kollega , was malen's denn hener für einMalheur? Pilotys nervöses Wesen, die Spnren anstrengender Ar-beit, rastloser Leidenschaft, verhaltener Glut, die übermäßig schwulstigbetonte Redeweise machten ans Pecht damals schon einen unheim-lichen Eindruck, den nur der ideale Zug von Pilotys ganzenWesens adelnd milderte.

Von Berlin war die junge Künstlerschast uach Paris gezogen,nin den dortigen Romantikern abzusehen, wie sich die zuckendeLeidenschaft malerisch darstelle; durch den Halbitaliener Piloty wardiese selbst nach München übertragen. Was Wunder, daß siehier kräftiger wirkte als dort. Dazn kam Pilotys außerordent-liche Begabung zum Lehrer, die namentlich darin glänzte, daß erjeden sich nach seiner Art entwickeln ließ im Gegensatz zn Cornelius,der in seiner starken Überzeugung, daß er die allein richtige Artbesitze, jedem diese aufzudrängen suchte.