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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

Die Buben sind roh, ihr Maler bleibt vvrnehm, das Bild wirdein Kabinettstück.

Die Zeiten haben sich geändert! Als die große französischeRevolution am Himmel drohte, nahm die französische Malerei eineder Knnusschen ähnliche Richtung. Die Verwandtschaft zwischenihm und Grenze ist unverkennbar. Als sich in England die großensocialen Umwälzungen vorbereiteten, traten dort verwandte Malerauf. Wilkie, Collius sind die echtesten Bvrboten unseres Meisters.In Fraukreich hat der Klassizismus die moralisierende Borliebe fürden vierteil Stand vertrieben: in England war es die Romantik, diegleiches vollführte. In London trat der libernlisierenden Kunstjene Bvrnehmheit des Großstädters entgegen, die das Derbe nervösmacht. In Paris fand sie einen anderen Feind, den Socialismus.Auf KnanS solgten hier die Maler des Elsaß : Brion, der Ver-wandte der Friderike von Sescnheim an der Spitze, die Malerder Bretagner nnd Normannen, bei welchen es darauf ankam,-zuzeigen, daß dein französischen Landvolk die Schönheit und klassischeGröße keineswegs abgehe; endlich kam die Malerei auch der kostüm-losen Franzosen: mit Courbet war man beim Steinklopfer inblauer Bluse angelangt. Ein Weg, den man sich dnrch weidlichesSchmälen verkürzte. Denn hinter den Fortschreitenden klang dasGezeter über Realismus und Verfall her, während diese ihren Zornüber den bei Stillstand drohenden Versall nicht minder lebhaftzurückriefen.

Bei der grausamen Folgerichtigkeit der Franzosen , bei der Schärfeund Dürre ihres Denkens, konnte das liberalisicrende Wohlwollenmit den Ticsstehenden nicht lange vorhalten. Knaus ist stolz darauf,über den Vorwürfen seiner Bilder zu stehen, Courbet war stolzdaraus, mitten nnter ihnen zu stehen. Knaus ist ein Maler derVolkssrenndlichkeit, Courbet ein Maler des Kampfes nach socialerUmgestaltung. Damit war der Riß gegeben, der Knans von dermodernen Kuusr trennt. Knaus will nns die Welt im Bilde er-klären, die Neuen wollen sie uns zu eigener Erkenntnis vorführen.Er giebt die Novelle, diese den vvlkslvirtschaftlichen Bericht. Ersteht zwischen uns und dem Gegeustaud, und schneidet uns dasihm gut nnd richtig scheinende Stück Natur zu : die Modernen suchen