Druckschrift 
Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
Entstehung
Seite
380
Einzelbild herunterladen
 

380

VI. Die historische Schule.

Die Bauern haben sich am Bauernmalen nicht beteiligt. DieKunst ist ins Volk gedrungen; aber das Volk ist nicht in die Kunstgedrungen. Selbst die spät zur Kuust Gekommenen, wie TheodorMintrop , der bis zu seinem dreißigsten Jahre hinter dem Pflugegiug, wendeten sich der sogenannten höheren Kunst zu. HubertSaleutin, der bis zu seinem achtundzwanzigsten Jahr am Ambosals Schlosser stand, malte freilich später Geure. Neues hat aucher uicht gegebeu. Man mnß dagegen einmal Umschau halten, obes nicht den Städtern gelang, die Städter zu malen, hier denZwischenraum zu verringern, der Natnr und Knnst trennte.

Einst war Hasen clever für solche Darstellungen berühmt,später folgten ihm andere Düsseldorfer , wie Brütt, Bokelmann.Hasenclever stellte die lustigen Seiten des städtischen Lebens dar,die jüngeren die ernsten. Zwischendurch giebt es viel andere Ver-suche, das Tagesleben malerisch zu fassen. Aus der Tendenz, derAbsicht, bestimmte Stimmungen politischer oder gesellschaftlicher Artzu wecken, für die Vorgänge und die an ihnen thätig oder leitendWirkenden Liebe, Verehrung, Mitleid oder Abscheu hervorzurusen,schritt man zu einer ruhigerm Darstellung des Thatsächlichen vor.Auf Auerbach und Clanren folgte die Art, wie sie dichterisch inLudwigs Erbförster und Hebbels Maria Magdalena austrat.

Karl Wörmann , der Dichter und Kuustgelehrte, möge übersie das Wort ergreifen: Er findet in der Erschließung des Volks-lebens für die deutsche Kunst eine künstlerische That darinseinem Frennde Woltmann, seinen Jugendansichten und seinen Düssel-dorfer Verbindungen treu bleibend, auch iu der Zeit, in der diejüngere Kritik die Sittengemälde nur für Modeware gelten lassenwolle. Der feine Humor, mit dem die Meister des Genre ihremGegenstande gegenüberstehen, ist ihm der Beweis des glücklichenVerhältnisses zu diesem. Die Lust zu fabulieren, sagt er weiter,die Neigung, kleine Novellen zu erzählen, sei ihnen vielfach ver-übelt worden. Daß sie dazu beigetragen habe, die kunstsuchendenLaien mehr auf den Inhalt als anf den künstlerischen Gehalt derGemälde hinzulenken, leugnet er nicht; daß gegen die Vorherrschaftdieser Art, kleine Geschichteil in Bildern zu erzählen, ein Rückschlagkam, findet er erklärlich, wenn anch dieser das Kind mit dem Bade