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VI. Die historische Schule.
einer. Er wußte prächtig aus der Welt Laus zu schimpseu; er nahmkein Blatt vor den Mund, wenn es galt, aufdringlicher Modekunst,dem Grafflwerk, eins zu versetzen. Der Kreis dessen, wofür er sicherwärmt, ist nicht sehr weit, aber er füllt ihn iu seiuer liebens-würdig behäbigen Art völlig aus: die Natnr, die er darstellt, istimmer er selbst in seinem Verhältnis zur Natur: Sie ist ihm niedes Nachschafsens wert um ihrer selbst willeu, sondern um dessen,was er iu ihr empfand. Und das ist immer ein Eigenes, nie einEntlehntes. Er sieht in der Welt die Wunder der Märchen: ersieht, wie leise ans seine Weise der liebe Herrgott durch den Waldgeht, Elfen im Nebel schweben und die Kobolde iu gelben Blätternrascheln. Er empfindet das als ein Wirkliches. Er steht nichtäußerlich den Gegenständen gegenüber, sondern sie sind in ihm. Erstellt sie daher auch nicht mit Hnmor dar, sondern ihm ist es bei denlustigsten Geschichten bitter ernst; ihm, der in den ernstesten Lebens-lagen so bitter lustig sein konute. Als wirklich Lauuiger sieht er dieMärchen am hellen Tag in all ihrer Pracht uud Sonderbarkeit;nnd er giebt, sie wieder, wie ein Kind sie glanbt, als Wahrheit.Darum entzückten ihn auch ei» paar Nerse Grillparzers, die dieserihm bei einem Besuche vorsagte:
Laßt mir doch das Wunderbare!Gar mancher hat's vor mir verehrt.Allein das Menschliche — daS ist das Wahre;Das Wahre — aber kaum der Mühe wert.
- Jhu ärgeru die Düsseldorfer, die doch auch ihren Uhland, ihrenMorike illustrierten. Er nennt ihre Gethue Skrofelkuust. Denn erempfand wohl doppelt stark den Unterschied zwischen seiner gesundenund jener kranken Nomantik, zwischen jener, die nnr uachempsindetund der, die mit dichtet. Die feineren Unterschiede sind es, die demfeiner Empfindenden am stärksten ausfallen, aus ihn am peiulichstenwirken. Der Sittenmaler Schwind haßte den Sittendichter Auerbach,den Städter mit der Absicht aus Unbefangenheit, den Anfklärungs-mann mit der Herablassung zum Volk, der zu ihm in jenein Dialektsprach, mit dem er die Fräuleins bei Hofe und in den reichenBankherrenhänsern zum Weiuen vor Lachen nnd Rührung zu bringenmußte. Denn Schwind waren seine Märchen nicht Poesie, sondern