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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

Dieser machte zu jedem Bild seine Bemerkung. Zu jenen Lenbachssagte er kopfschüttelnd: Der will immer einen Helden aus mir machen!

Das, was ^der Marschnll hier einwendete, wurde gesagt voreinem jener glatzköpfigen Bilder. Moltke sah seiner als die Kritik.Nicht in der äußeren Erscheinung lag die Steigerung, sondern ermerkte sie auch dort, wo alle Nebenumstände gegen diese Absichtsprechen. Ein Held im Sinne der Dichter Hütte sich so nicht öffent-lich gezeigt. Moltke, der als Schriftsteller sich für verpflichtet hielt,die Schwächen der einzelner. Heerführer in der Darstellung zu unter-drücken, sie dem Volke als makellose Helden erscheinen zu lassen,war sür sich nicht in Sorge, wenn er äußerlich wenig martialischerschien. Gewöhnlich gehört ja viel Haar zum echten Helden,Locken, langer Bart. Aber 'er hatte mit Alexander, Cäsar undNapoleon I. das Gegenteil gemeinsam. Ihm war das Heldentumpeinlich, das sich iu der geschichtlichen Auffassung und in derstarken Betonung des Eigenartigen seines Ausdrucks geltend macht.

Leubach als Bildnisinaler ist sehr verschiedenartig. SeineBilder von jungen Frnnen und Kindern ähneln sich namentlich inden letzten Jahren zum Erschrecken. Immer dieselben Mandel-augen, dieselbe» halb schwärmerischen, halb weichlichen Züge, Zügewie die einer Bronze von Giovanni da Bologna oder Adiaeu de Vries,dieselben nur scheinbar lebhaften Bewegungen. Es ist, abgesehenvon einigen bestimmten Typen, das Bildnis der Frau von .L oftvon dem der Gräfin U nicht zu uuterscheiden. Späteren Zeitendürfte es noch schwerer werden, sich ans der Überlast von Manierznr Einzelerscheinung durchzuarbeiten.

Anders bei Männern nnd schon bei älteren Fraueu. Hiererst packt Lenbachs Kunst sich au der schärfer ausgeprägte!? Eigenartfest, nm wieder, wie mir scheinen will, zum Typischen hinzudrängen.Der Typus ist hier vielgestaltig!, dem Einzelnen angemessen, aberdoch etwas mehr als nötig eiue Steigerung der Eigenart; undeine solche Steigerung kann nie ganz aus dem Dargestellten alleinHeralls wachsen, sie ist die geistige Znthat des in diesen sich ver-tiefenden Malers. Der Unterschied zwischen einem realistischeil unddabei doch groß erfaßten Bilde, wie ein solches Velazquez oderHals schuf, und der Art die Lenbachs, die in gewissem Sinne