Mnkart und Feuerbach. — Leubach.
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heit die größte Poesie ist. Er nimmt die Natur, faßt sie scharfins Auge, und indem er an ihr schafft und bildet, vollzieht sichdas Wunder, welches wir Kunstwerk neuueu. Das Ideal wirdzur Wirklichkeit uud die Wirklichkeit zur idealen Poesie. Der Weg,den Feuerbach hiermit als den seinigen bezeichnete, war auch jenerMakarts. Auch er geht von dem Natureindruck aus, der bei ihmein farbiger Reiz, nicht eine Gestalt ist, uud von diesem aus schaffter als Maler ein Ding in Farbe, das man damals für realistischhielt, das in Wahrheit aber eine Dichtung in Tönen war. Nichthöchste Dichtung, doch solche von starker Stimmung.
Es gab eine Zeit, wo man Feuerbach uoch als GenossenMakarts oder doch Pilotys nahm. Er hatte im Grande einen ähn-lichen Entwickelungsgang genommen, wie diese. Unbefriedigt vonder Düsseldorfer, Antwerpener und Münchener Schule ging er nachParis zu Couture, der ihn malen lehrte; dann nach Venedig, woer Tizians Assunta kopierte: Ein zweiter Grund, sarbig zu werden.Ihn, den später wegen seiner kreidigen Farben Perhöhnten, nanntenoch der Kölner Maler und Kritiker Becker einen, der ganz undgar Kolorist sei, was auch draus solge. Seine Kindergrnppeu, die1858 —1859 entstanden, seien die Verachtung aller Wahrheit undWahrscheinlichkeit, lediglich um ein glänzendes Farbenspiel hervor-zubringen; keine Spur vou Natnrwahrheit, lediglich Palette- undPiuselbravour. Das erscheiut uus zwar als eiu sehr thörichtesUrteil, aber es ist als das eines Malers doch ein Beweis dasür,daß man die Farbentiesc der unter Venetianischen Eindrücken ent-standenen Bilder für etivas ganz Absonderliches uud Verkehrtes hielt.
Ähnlich wandelte sich das Urteil über Franz Lenbach , dengroßen Bildnismaler. Mein verstorbener Brnder, der Kunst-händler Fritz Gurlitt , veranstaltete eiust eiue Ausstellung von Bild-nissen Moltkes. Den Grundstock zu diesen bildeten jene Lenbachs.Der Marschall hatte, des Künstlers Bitte folgend, die blonde Perückeabgenommen, die er sonst trug, und Lenbachs Pinsel den völlig haar-losen glänzenden, aber unglaublich durchbildeten Schädel zumStudium dargeboten. Um sich zu versichern, ob Moltke die so ge-wonnenen Skizzen wirklich der Öffentlichkeit zugänglich zu macheugestatte, hatte er deu Marschall zu eiuer Vorbesichtigung eingeladen.