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VI. Die historische Schule.
ausdrücklich als die, welche er einem Schüler als Borbilder empfehle.Die Schulmeinung des Mengs dämmert immer klarer im Hinter-grund ans!
Und trotz alledem: einen Lenbach erkennt man als solchen aufden ersten Blick. Er selbst zeigt sich im Bilde, sei es nun imGeist welchen Malers auch immer gedacht; der stärkere Teil bleibtdoch die unwillkürliche Eigenart, das, was Lenbach selbst in seinemBilde stecken läßt, indem es durch Auge uud Haud waudert. Alser jung uud Makarts Freund war, warnte ihn Julius Meyervor Schwankungen, wies ihn ausdrücklich auf die großeu Meister,weil er auf die Selbständigkeit des malerischen Reizes zu großesGewicht lege, nach einer von» Gegenstand unabhängigen Farben-wirknng strebe, die die Einfachheit der Anschauung und die Klar-heit der Gestalt beeinträchtige. Als er diesen Rat befolgte, undden Blick vollständig auf Bau uud Ausdruck der Kopfe fesselte,alles unterordnete, was deren Herrschaft in: Bilde beeinträchtigenkann, hetzte er die kritische Meute auf die augebliche Uufertigkeitseiner Bilder. Unter einem vollendeten Kunstwerk verstand dieseein solches, das in allen Teilen fertig, also soweit geführt sei, alsdas sehende Auge unterscheiden kann. Seine Bilder sind für diesenicht zum vollen Ende gebracht, also nicht vollendet. Es halfnichts, was man auch gegen diese Auffassung der Kunst vom Stand-punkte des pflichttreuen Beamten sagte; der war der Ansicht, daßin einer Rechnung nicht unr iu den Hauptzahleu, sondern auch in»den Psennigen stimmen müssen. Der Einwurf, daß die Kunst keineNechenanfgnbe sei, wurde mit tugendhafter Entrüstung abgewiesen:Ehrlich muß mau auch in Kleiuigkeiteu sein! Es half aber auch derKritik nichts, daß sie sich auf Adolf Meuzel berief, der Lenbach einenSchtnderer nannte: sie beugte sich endlich doch vor Lenbach wie vorMakart . Seit er hohe und höchste Herrschaften malte, mehr nochals sich's Bisinarck gegenüber zeigte, wie hoch er andere Maler inder Kraft überrage, die Größe zu verstehen, war die Kritik abermalsüberwunden. Lieber ist freilich der Menge auch heute noch Allersmit seinen faden Zeichnungen. Aber der Kritik wie den Laien isteine gewaltige Furcht vor dem Maler beigekommen, der so hoch steht.Sie wagt sich mit dem Urteil nicht mehr heraus; oder sollte wirklich