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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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Lenbach. Die Landschafter. Hildebrandt.

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die starke Eigenart, die Fähigkeit, im Bilde das zu suchen und zufinden, was der Maler mit ihm sagen wollte, die Kraft, sich überdie Nebendinge in tue Hauptsache zu finden, so gewachsen sein, daßman Lenbachs Bedeutung heute besser versteht als noch vor einemJahrzehnt? Ich wage es kaum zu hoffen.

Zwischen Makart und Lenbach bewegt sich die Entwickelungder ganzen Pilotyschule, das, was sie an Farbe nnd an Ausdruckzu gebeu hatte. Viel treffliche Meister haben auch ihrerseits inner-halb dieses Kreises eine geschlossene Stellung behauptet. Ich empfindees als eine peinliche Beschränkung, als einen Mangel an Dank-barkeit, an wohlverdienter Wertschätzung oder doch an dessen äußeremBekunden, daß ich der Versuchung, auch ihnen hier eine eingehendereHuldigung darzubringen, widerstehen muß.

Für die Landschaftsmalerei war die gleiche Aufgabe wichtig,wie für die übrigen Künste: Es hieß Kräfte sammeln, lernen,nm den realistischen oder idealistischen Absichten der Zeit bessergerecht zu werden, als bisher; um auch hier den Wert des Bildesauf den künstlerischen, statt ans den gegenständlichen Gehalt zubegrüudeu. Die Kunstgelehrten verlangten Ausweitung des land-schaftlichen Sinnes bis zur Universalität; so Anton Springer .Welche ungeahnte Fülle von Anschauung steht uns nicht gegen-wärtig zu Gebote, sagt er 1859, welche reichen Mittel und Wege,das Auge zu üben, liefert nicht die moderne Wanderlust! Land-schaftliche Formen wehen uns heimisch an und sind uns unmittel-bar verständlich, von deren Dasein unsere Vorfahren kaum eineAhnung hatten. Springer lobt den wesentlichen Einfluß, den diewissenschaftliche- Bildung auf die Kunst gehabt habe, der moderneNaturkult. Durch die Hinneigung zum Realismus habe er nament-lich der Düsseldorfer Schule ein frisches, krustiges Leben eingehaucht.

Der Zug der Zeit drängte die Maler in die Ferne. Währenddie Engländer gerade damals das Reisen aufgaben und tinterConstables Einfluß heimisch uud einfach zn werden begannen,kam für die Deutscheit die Wanderschaft in Schwung. Der für dieseRichtung bezeichnende Maler ist der zumeist in Frankreich , abernach englischen Vorbildern geschulte Berliuer Eduard Hilde-brandt , der Maler des Kosmos, wie man ihu uanute, desseu