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Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts : ihre Ziele und Thaten / von Cornelius Gurlitt
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VI. Die historische Schule.

Thätigkeit fast ununterbrochen lautes Tromvetcngeschmetter umgab.Hildebrandt umsegelte die Erde, brachte eine große Anzahl farben-prächtiger Aquarelle mit, welche durch den Buntdruck verviel-fältigt zu den ersten gelungeneu Erzeugnissen dieser Technik ge-hörten. Ihm folgte sehr bald Carl Werner , der wenigstens bisnach Ägypten vordrang und anch seinerseits die Frische derWasserfarben, wie sie die Engländer ausgebildet hatten, zur Dar-stellung des Orients und Venedigs und ihre hellleuchtenden Tönebenutzte. Weruers Einfluß ans die italienische Kunst ist eiu ge-radezu durchschlagender. Mau freute sich auch unter den deutschenKunstkennern, daß der Wirkungskreis der Realistik durch diese Malererweitert wurde. Sie solle aber, so hieß es, nicht auf die Neu-gierde rechnen, nicht bloß Teilnahme am Stoff erwecken, sondernEmpfindungen anregen. Man war erstaunt über HildebraudtsBilder, obgleich man ihm nicht nachzusagen wagte, sie seien falsch;man machte ihm nur die Lust zum Borwnrf, das Auffallende,Seltene malen zn wollen. So urteilt Springer. Es half nichts,daß Hildebrandt versicherte, die Farben, die er gebe, seien dort beiden Gegenfüßlern gar nichts Auffallendes. Es blieb dabei: ermale Phänomene, er erstrebe phantastischen Eindruck und vergessedarüber die Regeln des Aufbaues und der Form, die ihm nur alsUnterlage zur Darstellung von Lichtwirkungen diene. Und das wollteman nicht, das war etwas zu Neues, als daß mau es billigen könne:das sei nackter Naturalismus statt des uun schon kritikfähig ge-wordenen Realismus. Sagte doch Springer, damals einJüngster",der England kannte, von Turner, er habe die Wiedergabe desSonnenlichtes mit beispielloser Rücksichtslosigkeit mißbraucht. Biszu ihm folgte die Realistik, wie sie Springer vertrat, den Künstlernnoch nicht, und Hildebraudt hatte auch nicht die Kraft, die wider-strebende mit sich fort7zu reißen.

Die Reisen der meisten Maler erstreckten sich mir auf Italien .Die dort Schaffenden haben das Wenigste in Frankreich und dasMeiste im Lande ihrer Sehnsucht selbst gelerut. In Frankreich wardamals in den akademischen Werkstätten für die Landschafter nichtviel zu holeu. Die deutschen Maler maßten unmittelbar vor derNatur deu Fortschritt suchen. In Italien fanden sie die alte