Rauchs Bildsäulen. —
409
verbot den Stoff kenntlich zu machen, die nur ein ideales Gewebekannte, das es in Wahrheit nirgend gab, dessen Falten daher müh-sam in nasser Leinwand gelegt werden mußten. Mithin waren ihmeine Reihe von wirkungsvollen Mitteln zur Belebung der Gestaltunter der Drohung vor dem Fluch genommen, in den Realismuszu fallen.
In Wien hatte Franz Zauuer, uoch einer von den Alten —er war 1746 geboren — dem Kaiser Josef II. 1806 ein Denkmalganz klassischer Haltung geschaffen, ein hochstehendes, freilich injener Zeit nicht modernes Werk. Denn Kaiser Josef II. war für dieWiener von damals schon oder noch eine unverstandene Größe, seinekirchlichen uud gesellschaftlichen Absichten vergessen, meist verabscheut.Blücher und die Seinen lebten aber, obgleich sie gestorben waren!
Wie sollte mau uuu in Berlin Friedrich den Großen ehren?Man schritt die ganze Reihe klassischer Denkmal formen ab: dieQuadriga mit dem alten Fritz als römischen Triumphator; dieTrajansäule, wobei man auch au die Vendümesüule in Paris dachte,den Triumphbogen, die Gedächtnishalle, das Ehrensornm, dasSeptizoninm. Schinkel nnd Ranch wollten Friedrich barhäuptig undnatürlich antik, reitend sehen. Friedrich Wilhelm III. entschied für dieTrajansänle und deu König ini militärischen Kostüm, war wohldurch seine Künstler von der unglücklichen Bauform, uicht aberdavon abzubringen, daß der alte Fritz als alter Fritz darzustellensei. Der Dreispitz, der Zopf machte Rauch schwere Bedenken. So-lange Friedrich Wilhelm III. lebte, wurde die Sache hingeschleppt;erst unter Friedrich Wilhelm IV. kam das Werk zur Feststellung.Selbst unter dem Romantiker blieb das Kostüm und der Hut; dasBerlinertum, vertreten durch den König, und das preußische Bewußt-sein hatten nochmals dem Idealismus einen schweren Schlag bei-gebracht. Das Werk entsprach seiner Entstehung: Ranch hat sichmeisterhaft aus der Schlinge gezogen. Er schuf einen Reiter, demman ansieht, wie schwer es Ranch wurde, die Einheitlichkeit zu wahren,das Ganze durch den Kopf des Königs zu beherrschen, Gewand,Roß, Sockel diesem Eindruck unterzuordnen. Es ist der Vorwurf,den man ihm machte, daß für diesen Platz, auf so hohem, reichemSockel die Gestalt zu genrchaft sei, wohl berechtigt. Aber es ist