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Den schwersten Schaden that sich Böcklin durch sein Gefildeder Seeligen, das Bild, das die Berliner Nationalgallcrie beiihm bestellte und das 1878 abgeliefert wurde. Es erweckteSchrecken! Der schwarze See, die Schwäue mit häßlich steifemHals, die verzeichnete Frau auf dem Rücken eines Kentauren indem wunderlich roten Mantel, die grell beleuchtete Wiese in denbuntesten Farben: Das alles reizte lediglich zum Lachen. Rosen-berg sah hierin die Absicht, um jeden Preis Sensation zu machen:Darin sei Böckliu der Nachfolger von Makart und Gabriel Max ,von Männern, die durch den Tamtam der Reklame und raffinierteJnscenierung die Geister naiver Beschauer verwirren, und die Kunstauf Abwege zu führe» drohen. Hier wie schon in früheren Bildernhabe Böcklin die ästhetische Form anfs krasseste verletzt. Das seienmehr als geniale Verirrungen. Schon in seinen Seebildern zeigeer sich als Fanatiker des Häßlichen und Bizarren. Verzeich-nungen schlimmster Art wechseln mit einer raffinierten Absicht-lichkeit der farbigen Kontraste, in denen etwas ungemein An-stößiges und Frivoles liege; denn das Hineintragen grobsinnlicher,niedriger Gefühlsregungen, die an die niedrigsten Regionenmenschlichen Sinnenlebens erinnern, machten den schärfsten Protestim Namen der obersten Kunstgesetze nötig. Eine vornehme Dame,— gemeint ist die Kaiserin Friedrich —, habe den Ankauf einessolchen Bildes verhindert. Daher erfolgte jene Bestellung derGefilde der Seligen. Ob sich Böcklin noch jemals aus den trost-losen Farbenexpcrimenten heraus retten wird! Das Urteil deswohlwollenden, aber unbefangenen Menschenfreundes fasse sich indie Worte zusammen: welch edler Geist ist hier zerstört! So Roscn-berg. Es fehlt ihm aber auch uicht an anerkennenden Worten: ernennt Böcklin einen hochbegabten Feuergeist. Hätte er sich uichtwohl einmal fragen können, ob das Mißverstehen eines solchen nichtetwa an ihm, dem Kritiker, liege?
Guido Hauck , der 1884 ein Druckheft über die Gefilde derSeligen herausgab, erinnert an Schopenhauers Spruch: Vor einBild hat sich jeder hinzustellen wie vor einen Fürsten , abwartend,ob und was er zu ihm sprechen werde; und wie jenen, hat er auchdieses nicht selbst anzureden, denn da würde er nur sich selbst ver-
Gurlitt, IS. Jahrh. 38