mit einer Gewalt erschüttert wurden, wie sie kaum in den erstenJahrhunderten der Kirchengeschichte ihres gleichen findet.
Äußerlich freilich konnte sich weder die englische noch die schot-tische Kirche dem Einflüsse der Zeit entziehen, seitdem sie um ihrDasein zu kämpfen aufgehört hatte. Insbesondere verwuchs dieenglische Kirche mit der herrschenden Aristokratie und wurde nichtohne vorhergehende Kämpfe ein Teil und eine Stütze der Staats-verfassung. Vornehm geworden, vernachlässigte sie ihre sozialenPflichten. Jener Zeit gehört das aus Romanen bekannte Bild desenglischen Geistlichen an, der ein vollkommener Lebemann, zumeistder jüngere Sohn einer angesehenen Familie, für Fuchshetzen undTruthahupasteten als Sachverständiger nicht seines gleichen findet.Auch stand die Kirche, wenigstens ihre öffentlichen Organe, durchausauf Seite der wirtschaftlich mächtigen, zunächst der agrarischen, dannder industriellen Aristokratie. Hieraus erklärt sich, daß die Geist-lichkeit den Arbeitern gegenüber sich zunächst feindlich verhielt. Sourteilt wenigstens der Graf von Shaftesbury in seinem Tagebuch:„Von wem hätte ich am meisten Hilfe erwarten dürfen? Dochunzweifelhaft von der Geistlichkeit, zumal derjenigen der Jndustrie-gegenden; aber gerade das Gegenteil ist mir geworden, mit äußerstseltenen Ausnahmen; und doch giebt es in unserer Kirche 16 WOPfarrer außer den hohen Würdenträgern/'
Erst später entstand eine christlich-soziale Bewegung. An ihrist Carlyle bereits ursächlich beteiligt. Mitgewirkt aber hat gewiß,wie gerade der Entwickelungsgang Carlyles beweist, daß in breitenKreisen des Volkes der alte Puritanische Geist sich forterhalten hatte.Wie wäre es auch denkbar, daß ein so ungeheurer Anstoß, wie dervon der englischen Reformation gegebene, seine Wellen nicht überJahrhunderte ausbreitete?
Insbesondere war das schottische Volk noch zu sehr von denTraditionen seiner „großen Zeit" — denn als solche gilt ihm dieKircheurefvrmation — beherrscht, um von den Ideen des achtzehn-ten Jahrhunderts mehr als oberflächlich berührt zu werden. Manbedenke, daß zu einer Zeit, da in Deutschland das Luthertum längsterstarrt war, gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts, in Schott-land eine Religionsverfolgung stattgefunden hat, die den schwerstenHeimsuchungen der alten Kirche nichts nachgiebt. Wie jene erstenChristen lieber sterben, als den Kaiser anbeten und das Christentumverleugnen wollten, so haben damals die schottischen Presbyterianerihre Weigerung, für den König zu beten und ihren Glauben ab-zuschwören, mit dem Tode gebüßt. Eine Inschrift auf dem Edin-