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Quelle verdanke. Auch darin historisch gesinnt, betrachtete der Sohnsich selber im eigentlichsten Sinne als eine Fortsetzung des Wesensseines Vaters, den er nach dessen Tode mit dem Pfeiler verglich,auf dem er selber stehe, den die Wasser bereits überflutet hätten,die auch ihn bald bedecken würden. „Keiner von uns," schreibt ervon ihm, „wird je den kühnen, glühenden Stil vergessen, der freiseinem ungefesselten Herzen entquoll. Voller Metaphern, obschoner nicht wußte, was Metaphern waren, mit allen möglichen Kraft-worten, die er sich aneignete und mit erstaunlicher Akkuratesse an-wandte; kurz, energisch, bündig, klar, nicht in ehrgeizigen Farben,sondern im weißen Sonnenlichte schimmernd, gab uns seine Rededen vollkommensten Ausdruck seiner Ideen. Ihn habe ich, wie nie-manden sonst, emphatisch reden hören. Im Zorn brauchte er derSchwüre und Flüche nicht; seine Worte selbst waren wie scharfePfeile, die bis ins innerste Mark eindrangen."
„Eine bemerkenswertere Persönlichkeit als mein Vater, ist mirauf meiner Lebensreise nicht vorgekommen. Voll ungefälschter Auf-richtigkeit in Gedanken, Worten und Handlungen; durchaus still,und doch, wenn's Not that, fähig, in helle Zornesflammen aufzu-lodern, besaß er einen blitzartig-durchdringenden Einblick in dieDinge; eine kurze, natürliche und in jedem Worte wahre Beredsam-keit, wie ich sie in keinem andern Manne wiedergefunden habe.Humor von der grimmigsten skandinavischen Sorte zeigte er ge-legentlich; selten oder niemals jedoch Witz — dazu war er zu ernst."
Carlyles Mutter war nach seiner eignen Beschreibung einemehr innerlich gerichtete Natur. Auch muß ihr Geist eine größereFreiheit besessen haben, wie sie denn später, unter der Anlei-tung ihres Sohnes, selbst Goethe schätzen lernte. Je mehrThomas Carlyle eine verschlossene, Freundschaften wenig zugäng-liche Natur war, desto mehr hing er mit geradezu schwärmerischerLiebe und Verehrung an seiner Mutter. Sie stand ihm zeitlebensvon allen Menschen am nächsten, selbst seine Frau nicht ausge-nommen. Was Carlhle mit seiner Mutter verband, war, daß erbei ihr, unter alten Formen zwar, jene Übereinstimmung desDenkens und Handelns fand, welche dem modernen Menschen fehltund die unter neuen Formen zurückzugewinnen, Carlyle für diewichtigste Aufgabe der Gegenwart hielt. So konnte er ihr ohneUnwahrheit schreiben, daß ihre Ansichten trotz äußerer Verschieden-heit die gleichen seien, daß auch er für die alte gute Sache kämpfe.Auch über den Grund des Elends der Gegenwart stimmten sieüberein, nur daß die Mutter in der Sprache des Testamentes das