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lichen Genüssen, als den einzig zweifellosen, in denen jener, wäh-rend er sie kostet, vor Begierde verschmachtet.
Es waren die Jahre, die Carlyle als die düstersten seines Lebensbezeichnet. Von inneren Kämpfen zerrissen, an allem zweifelnd,trieb ihn damals allein die Sorge um das tägliche Brot zurThätigkeit. Rettungslos schien er dem Pessimismus verfallen:Selbstmordgedanken lagen ihm nicht ferne. Seit jener Zeit be-wahrten seine Züge die Spuren tiefen Seelenschmerzes, wie sie seineBilder, insbesondere das beste von ihm erhaltene, aufweisen. Erwandte später auf sich jenes Wort an, das Dantes Persönlichkeitbezeichnet: „sieh' da, ein Mensch, der in der Hölle gewesen ist."
Sein Pessimismus führte ihn, den sozialen Kämpfen der Zeitgegenüber, in das Lager der Unterdrückten. Bezeichnend für Carlylesdamaligen Standpunkt ist folgende Geschichte. Er wurde von einemBekannten gefragt, ob er bei einem jener kleineren, damals so häu-figen Arbeiteraufstände, bei dem er zufällig zugegen war, als dieMiliz Ruhe stiftete, geholfen habe. „Auf welcher Seite," fragteCarlhle ironisch, „auf der der Unterdrücker oder der Unterdrückten?"
Ein Mensch, dessen inneres Wesen in solcher Weise zerrissen,war, konnte für seine Mitmenschen wenig Anziehendes besitzen.Bald scheu und in sich gekehrt, schien er bald wieder sarkastisch undselbstbewußt. In der That spielten in Carlyles Leben Jugend-freundschaften eine geringere Rolle als in dem der meisten andern.
Stütze und Beratung fand Carlyle während jener Jahre ineinem Studiengeuossen und Landsmann, der einige Zeit späterin höchstem Glänze aufflammte, um bald im Wahnsinn unterzugehen:Edward Jrving, dem Sohn eines wohlhabenden Bürgers in Annan,,einem hochbegabten, jungen Theologen.
Carlyle allein aber konnte die geistigen Krankheiten besiegen.Im Juni des Jahres 1821 vollzog sich, was er in „Sartor Resartus"seine „Bekehrung" nennt, da er „den Teufel authentisch bei derNase nahm" und Überzeugungen gewann, die sein ganzes späteresLeben beeinflußten.
„Nichts in Sartor Resartus ist Thatsache, " sagt er; „symbo-lische Mythe alles, außer dem Ereignis in der Rue St. Thomasde l'Enfer, welches sich wörtlich in Leith Walk mit mir zutrug,während dreier Wochen absoluter Schlaflosigkeit, in denen meineeinzige Erholung in einem täglichen Bade an dem Strande zwischenLeith und Portobello bestand. Das Ereignis trug sich auf demHinwege zu; auf dem Rückwege fühlte ich mich gewöhnlich für den