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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Augenblick erfrischt. Ich erinnere mich dessen wohl und könntegerade auf den Platz zngehen."

Da uns die Echtheit der Geschichte auf diese Weise bestätigtist, dürfen wir die Worte borgen, insbesondere weil dieselben unszugleich einen Einblick in Carlyles innerstes Wesen verschaffen:

Ausgeschlossen von der Hoffnung in einem tieferen Sinne,als wir uns noch träumen lassen! Denn während der Professormühselig diese Welt durchwanderte, hatte er allen Verkehr mit eineranderen und höheren abgebrochen. Unser Freund, der sich bisherso voller Religion oder wenigstens Religiosität gezeigt hatte, ver-schweigt nicht, daß er in jenen Tagen gänzlich irreligiös war:,Der Zweifel hatte sich zum Unglauben verfinstert', sagte er: ,einSchatten nach dem andern zog sich sinster über die Seele, bis sievon sternenlvser Nacht, schwarz wie Tartarus, eingehüllt war/Denjenigen Lesern, die über das menschliche Leben nachgedachthaben, was man nämlich nachdenken nennen kaun, und imWiderspruch mit der hergebrachten Gewinn- und Verlust-Philosophiezu ihrem Glück entdeckt haben, daß Seele nicht gleichbedeutend mitMagen ist, und die deshalb, um mit den Worten unseres Freundeszu reden, einsahen, daß der Glaube für das Wohl des Menschenrecht eigentlich das eine genannt werden kann, das not thut, wiemit dem Glauben sonst schwache Märtyrer voller Freuden Schmachund Kreuz ertragen nnd ohne denselben Weltmenschen mitten imLuxus ihrer krankhaften Existenz durch Selbstmord ein Ende machen,solchen Lesern wird es klar sein, daß der Verlust religiösen Glau-bens für eine reine, moralische Natur, wie die seine, ein Verlustwar, der alles andere in sich schloß. Unglücklicher junger Mann!Dein so liebevolles Herz, würde von alleu Wunden, von dem Drucklangdauernder Entbehrung, dem Dolchstich falscher Freundschaft undfalscher Liebe wieder genesen sein, wäre ihm nicht seine Lebenswärmeentzogen!

So muß der betäubte Wanderer dastehen, wie so viele vorihm und eine Frage nach der andern in die Sibyllcuhöhle desSchicksals rufen, ohne eine andere Antwort zu erhalten als dasEcho . . . Keine Wolkensäule am Tage und keine Feuersäule beiNacht leitet deu Pilgrim. So weit hat der Geist der Forschungihn gebracht. Aber was thut's?' ruft er aus, ,es ist ja nur dasgewöhnliche Schicksal dieses Zeitalters! Wenn du nicht vor demSiscle de Louis Quinze geistig majorcnn wurdest, und nicht alsbloßer Dummkopf zur Welt kamst, so hattest du gar keine andereAussicht. Die ganze Welt ist ebenso wie du dem Unglauben ver-