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Gatten; und wenn sie Grund zu haben meinte, entfielen ihr spöt-tische Bemerkungen, wie die Funken dem Stahl. Carlyle auf deranderen Seite fand in seiner Ehe die wunderbare Umwandlungseiner Natnr nicht, die er sich versprochen hatte. Er blieb einsamund hypochonderisch, von Gedanken und Überzeugungen erfüllt, dienach Ausdruck rangen und die er nur in die gehörige Form gießenund schmelzen konnte, wenn sein ganzes Ich (wie ich ihn habesagen hören) einem weißglühenden Ofen gleich war."
Von dem Augenblick an, da Jane geheiratet hatte, gab sie alleneignen Ehrgeiz auf; die geistreiche Gesellschaftsdame und angehendeSchriftstellerin widmete sich nunmehr einem schwierigen und ihrungewohnten Haushalte. Auf ihrem einsamen Landgute, nichtimmer srei von pekuniären Sorgen, unermüdlich bedacht für dieGesundheit ihres Mannes, dessen Magen die meisten in Schottland üblichen Speisen nicht vertrug, verlebte die Jungvermählte aufihrem Stammgut keineswegs leichte Jahre.
Hier, wo im Winter oft Monate vergingen, ohne daß jemand,der nicht zum Haushalte gehörte, vorgesprochen hätte, wo im Sommerdie Stille oft so groß war, daß man bis auf eine Viertelmcile dasWeiden der Schafherden vernahm, verbrachte Carlyle fast ein Jahr-zehnt innerer Sammlung. So erlangte dieser gewaltige Geist, dernur langsam sich cmporrang, die Einheit und Kraft des Denkens,die später so viele seiuer Landsleute gefangen nahm. Nun erstkonnte er sich dem Ausbau der eigenen Gedanken zuwenden, wiedenn die ersten orginellen Werke Carlyles, der Sartor Resartus unddie Anfänge der französischen Revolution, aus jener Zeit stammen.
Wenn man dies alles bedenkt, so kann man wohl sagen, daßCarlyle das, was er wurde, durch jeue seltene Frau geworden ist.Auf die Triumphe der Welt verzichtend, sah sie ihre Aufgabe darin,die Hindernisse hinwegzuräumen, welche der Entfaltung des Carlyle-schen Genius sich bisher entgegengestellt hatten. Ihr Bestreben ist es,wie Froude versichert, dabei stets gewesen, zu verhüten, daß er die Müheund Arbeit erfahre, mit der seine Behaglichkeit und Ruhe erkauftwurde. Carlyle hat nach ihrem Tode in seinen Reminiscenzen„seiuer Heldin" ein Denkmal gesetzt und sie als das anerkannt,was sie war: die große Frau eines großen Mannes.
Vierzig Jahre lang hat die Werdezeit Carlyles gedauert, ihrletzter Teil waren die Jahre in Craigenputtock. Die einzige Unter-brechung der Einsamkeit seines dortigen Lebens waren jene Briefeund Sendungen, die aus der Hand des Zeitgenossen, den er vonallen am höchsten verehrte, von Weimar ihren Weg in die Öde