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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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und bejaht das des geglaubten Gegenstandes, welchem ereinen vom individualistischen Standpunkt aus schlechterdingsunverständlichen Wert beilegt. Welches nun dieser Gegen-stand sei, dem der Mensch seinen Willen also unterordnet,hängt von dem geschichtlich gewordenen System der Gtaubens-vorstellungen ab, welche zur Zeit herrschen.

Die Thätigkeit aber, welche aus dem Glauben herausgeschieht, nennt CarlyleArbeit". Alle andere Thätigkeit,möge sie noch so geschickt sein, ist, weil individualistisch, vomThun des Tieres, das oft auch außerordentlich kompliziertist, ihrem Wesen nach nicht verschieden.Berechnung vonGewinn uud Verlust" ist für das Thun des Menschen nurin soweit von Bedeutung, als dieses Thun individualistischist. Die Geschichte aber ist nicht aus solchen hervorgegangen.Alle großen Errungenschaften der Menschen waren ohne einengewissen Grad von Entsagung auf feiten des einzelnen un-möglich. Die Helden der Geschichte opferten alle mehr oderweniger ihr Leben. Der Apostel setzte nicht nach Europa über aus Erwägung von Gewinn und Verlnst, und dochwurde diese Thatsache allbestimmcnd für die Entwicklungunseres Weltteils.

Jeder redliche Arbeiter, macht ähnliche Erfahrungen.Der Schriftsteller, welcher nur um des Erfolges willenschreibt, schafft Tageslitteratur, welche gütige Vergessenheitbald wieder dahinnimmt. Jede wissenschaftliche Leistung istnur möglich unter Voraussetzung der Liebe zur Sache. Dasgleiche gilt von jedem künstlerischen Schaffen. Aber auchfür das niederste Handwerk besitzt das Wort der altenMönche:Is-dorars sst ors,rs" seine Wahrheit. Das Wesender Arbeit ist für den Verstand unbegreiflich, da sie nurdurch Glaubeusvorstcllungen möglich wird. Unbekümmert umGewinn und Verlust, Lob oder Tadel folgt der wahre Ar-beiter allein seinem Glauben.Er arbeitet für und in demJenseits; wenn er nur das Diesseits um Rat frägt, dannkann er ebenso gut das Geschäft uugethan beiseite lassen.Denn was er zu thun vor hat, bisher uoch ein Nicht-Ding(o.o-tb.inA), wird alsdann nimmer als ein Ding hervor-

v. Schulze-Gävcrnitz, Carlylc. 4