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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
56
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Gläubige Zeiten dagegen sind innerlich frei und wahr.Esist nicht nötig, daß der Mensch eine Wahrheit selbst entdeckthaben müsse, um daran zu glauben und noch so aufrichtigdaran zu glauben."Das Verdienst der Originalität istnicht Neuigkeit, sondern Aufrichtigkeit; der gläubige Menschist der originale Mensch: was immer er glaubt, glaubt erfür sich, nicht für einen andern."Ganze Zeitalter, die wirdie Zeitalter des Glaubens nennen, sind original. AlleMenschen, oder doch bei weitem die meisten in ihnen, sindaufrichtig. Dies sind die großen und fruchtbaren Zeitalter/'Der Glaube wird nicht viel besprochen, und wenn schon,dann mehr in Poesie als in Prosa. Die Philosophien jenerZeiten tragen Elemente des Glaubens in sich. Während dierein logischen auflösend wirken, wirken die ..poetischen Philo-sophien" z. B. die platonische aufbauend. Für solche Zeitenist der Glaube, in welchen Formen er auftrete, die Atmo-sphäre, in der sich alles bewegt, eiue Selbstverständlichkeit(uuci^sstioiiÄdilit^"). Der einzelne ist frei von innerenWidersprüchen uud hat jenen positiven Grund seines Daseinsgefunden, den Logik nimmer zu legen imstande ist. Erfußt im Jenseits und mag soRaum und Zeit ruhig Trotzbieten." Er ist zum Handeln geneigt und das Denken fürihn nur Mittel, nicht Selbstzweck.

Mit den innern Formen wachsen Sitten und Institu-tionen heran. Auch sie sind das Produkt einzelner Menschen,die den andern voranschrciten. Denn alles muß einmal zumerstenmal gethan werden, und bevor es das ist, gehört esnoch dem Reiche der Nichtexistenz an (ist einno-tuino",eineimxraLtic,g.bi1it/°). Nachdem einer erst einen Pfaddurch die bisher unbetretene Wildnis zurückgelegt hat, folgenihm andere nach. Seine Spur erweitert sich zum Wege,zur breiten Heerstraße, die nunmehr alle auch die Unver-ständigen sicher zum Ziele führt. Ähnlich diejenigen,welche in Positiven Zeiten geboren werden. Für sie giebtes gebahnte Wege und allgemein anerkannte Ziele. Glück-liche Menschen! Sie kennen nicht das Schwanken der Lebens-pläne, nicht das verzweifelte Suchen nach Lebenszielen. Auch