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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
57
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den Unbedeutenden unter ihnen giebt der Glaube einen innerenHalt. Sie arbeiten nicht für sich, sondern für Ideale, welcheverschieden je nach den gesellschaftlichen Zuständen, aber dochimmer objektiv und unzweifelhaft sind.

Gemeinsame Glaubensformen aber vereinigen die Men-schen als gemeinsame Triebfedern des Handelns. Der ein-zelne steht dem einzelnen nicht als isoliertes Atom gegen-über. Jeder ist zunächst Glied eines größeren oder kleinerenGanzen, für das er arbeitet, das ihn aber andererseits trägtund schützt.

Der Unterschied zwischen Genossenschaft und dem dieselbeäußerlich nachahmenden Verein ist derselbe, wie zwischen Po-sitiven und negativen Gesellschaften überhaupt. Was diesubjektiven Grundlagen angeht, so ist die Genossenschaft nichtauf Zweckmäßigkeits-Erwägungen zurückzuführen. Sie setzteinen gewissen Grad der Selbstaufopferung und Hingabevoraus. Daher steht bei ihr das Interesse des einzelnenunter dem des ganzen, wogegen beim Verein das Mitgliednur insoweit beteiligt ist, als es sein persönlicher Nutzenverlangt. Daher denn die Genossenschaft einen Einfluß aufdie gesamte Lebenshaltung des Genossen ausübt. Die Ge-nossenschaft ist organisch, nicht bloß im bildlichen Sprach-gebrauch, indem sie, wie die Gesellschaftsform, der sie an-gehört, thatsächlich die Phänomene des Lebens zeigt. Indi-vidualistische Zeiten sind weder imstande, Genossenschaften zubegreifen noch aufzubauen, während, ihr Bestand gerade dasäußere Merkmal positiver Zeiten ist.

Da ist," sagt Carlyle von den positiven ZeitenwahreGenossenschaft, wahres Königtum, Loyalität, alles wahre undgesegnete Dinge, und soweit die arme Erde ihn hervor-bringen kann, Segen für die Menschen."Jeder Arbeiter inallen Sphären arbeitet nicht auf den Schein, sondern die Sache;jede Arbeit endet in einem Erfolg; denn jede, da sie echt ist,strebt nach einem Ziel, jede ist additiv, keine subtraktiv."

Bereits zwei sehr frühe Schriften Carlyles, dieLiZusok tlis rirass" 1829 und die..Vd^etsristic-L" 1331 beweisen,wie früh sich diese Auffassungen bei ihm feststellten.