So war ein Held im höchsten Sinne des Wortes undjugendliche Eroberungsvölkcr, welche der Auflösung Halt ge-boten, als gegen Ende des Altertums die europäische Weltunrettbar dem Individualismus verfallen schien. Es warder Mann in Judäa , der Hingebung, Liebe und Selbstent-äußcrung zum Gesetz des menschlichen Daseins erklärte. Zugleicher Zeit waren es Völker, die — durch das Band derTreue also soziale Bande zusammengehalten — eine Gesell-schaft auscinanderwarfen, die durch „Gewinn- und Verlust-philosophie" verbunden war. Das Zusammenwirken beiderlegte Keime zu neuem Leben uud verjüngte Europa .
So beruht alle Geschichte auf sozialem Handeln, d. i.Arbeit. Diese allein ist es, welche Erfolg hat, und zwar— bei dem Zusammenhang aller Gesellschaften — dauerndenErfolg. So kann man das von Carlyle nicht selten gebrauchteBild als den Abschluß seiner Lehre ansehen, daß alle wahrenArbeiter „eiuer einzigen unermeßlichen Heerschar angehören,die seit den Anfängen der Welt unaufhaltsam weiter vor-rückt. Ein ungeheures, alles eroberndes, flammengekröntesHeer, in welchem ein jeder Krieger edel und heilig ist".
Sollen wir kurz die Hauptpunkte zusammenfassen, indenen die Carlyleschen Gedanken sich mit den rechtsphilo-sophischen Gedanken der sog. germanistischen RechtsschuleDeutschlands begegnen, so finden wir sie in folgenden:
1. Das menschliche Individuum kommt zu allen Zeitensowohl als Einzelwesen wie als Glied von überindividuellcuGanzen in Betracht. Sein Wille empfängt, wie Gierke sagt,Inhalt nnd Richtung znm Teil ans sich selbst, zum Teil alsMittel für ein Gesamtdasein. Der Wille ist individualistischund sozial motiviert. Die ersteren Motive überwiegen inZeiten der Auflösung, die letzteren in Zeiten sozialen Aufbaues.
2. Eine ebenso natürliche Lebenseinheit wie der einzelneMensch ist derjenige menschliche Verband, welcher nicht so-wohl auf individualistischen wie auf sozialen Beweggründenberuht. Je mehr die letzteren überHand nehmen, desto mehrwird er zur organischen Einheit, welche den Willen der ihn