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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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liches Gebot motiviert. Hieraus erklärt sich seine Furcht-losigkeit vor den Menschen. Denn was können diese demanhaben, der im Jenseits fußt (vlio is tootinZ vs^ovä).

Weit eingehender als die deutsche hat Carlyle die eng-lische Reformation gekannt. In einem puritanischen Kreiseaufgewachsen, stand er jenem Zeitalter innerlich näher, alsirgend ein andrer moderner Mensch. Er war daher besondersgeeignet, die großen Puritaner, insbesondre den größten der--selben, Cromwell , zu verstehen uud dem Verständnis andrernahe zu bringen. Ein Historiker von der Bedeutung H.Taines rechnet Carlyles Werk über Cromwell unter die erstenGeschichtswerke unsers Jahrhunderts und hebt hervor, daßnur ein Puritaner der Geschichtsschreiber des Puritanismushätte sein können.*)

Man hatte bisher in jener Periode meist nichts alsdüstern Fanatismus gesehen, dessen Borniertheit von Crom-well , einem Ehrgeizigen und Heuchler, benutzt worden sei.Carlyle hat einer solchen Auffassung nur zu erwidern, daßein gottloses Zeitalter sich überall selbst finde, weil es zwardie Schattenseiten und Schwächen, nicht aber das Licht einergroßen Zeit zu sehen imstande sei. Er rät seinem Leser,einmal anzunehmen, daß diese Puritaner wirklich meinen,was sie sagen.Dann wird allmählich vor seinem erstauntenAuge ein ganz wunderbares Phänomen erstehen: eine Prak-tische Welt, welche auf den Glauben an Gott sich gründet,wie sie viele Jahrhunderte vorher gesehen hatten, aber seit-dem kein Jahrhundert mehr zu sehen bevorzugt gewesen ist.Dieser englische Puritanismus war der letzte Schein davon:er war groß, ruhmvoll nnd tragisch genug für alle denken-den Herzen, die darauf aus diesen unsern Tagen zurück-blicken."**)

So wie ihm selbst an dem Puritanismus sein philo-sophischer Grundgedanke vom Unterschied der positiven undnegativen Zeiten in der Geschichte klar geworden ist, so will

?Ä.ins, (Paris , 1864). I/iä-ÄIisins MA^is. S.' 146 ff.Oliver Cromwell I. 81.