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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Bewahrheitung seiner sozialen Theorie. Er begrüßtdiesefurchtbarste Erscheinung der letzten zehn Jahrhunderte" wieeine Offenbarung, alsdie Stimme eines Gottes, wiewohleines zornigen". Scheinexistenzen müssen weichen, um Rea-litäten oder wenigstens dem Nichts Platz zu machen; einGesellschaftssystem, das nicht auf Glauben, sondern demSchein desselben beruht, bricht zusammen.Ohne siesagt Carlyle von der Revolution würde man gar nichtwissen, was man aus dieser erbärmlichen Welt überhauptmachen sollte. Hier Charlatanerie (d. i. Scheincrfülluugüberkommener Pflichten), dort das Elend niedergetretenerMassen, das man ein üsdils wäidriura mit Wahl--rechten, Kommissionsberichten, und den Bastillen des Armen-gesetzcs zu kurieren sucht: ein solcher Zustand ist nicht be-stimmt, fortzudauern."

Die Organisationen der geistlichen nnd weltlichen Ge-walten, die früher die Herrschaft über die Menschen aus-übten, dieseverwirklichten Ideale vergangener Zeiten" hörenmehr und mehr auf, ihre Funktion zu verrichten, obwohlsie noch die Stellung von Herrschern einnehmen.Die Kirche sagt Carlyle vom vorrevolutionären Frankreich istdahin gekommen, ihre alten Neigungen und Abueigungen zuvergessen und hat ihr Interesse mit dem Königtum verbunden.Auf diese jüngere Macht hofft sie ihre Greisenhaftigkeit zustützen. Diese beiden werden in Zukunft zusammen stehennnd fallen. Ach, die Sorbonne sitzt noch da und murmeltiu ihrem alten Jargon weiter, aber sie leitet nicht mehr dieGewissen der Menschen. Dieses thun die Encyklopädienund die Philosophien. Eine unzählige Menge von profanenSchriftstellern uud Pamphletenschreibern üben nun die geist-liche Gewalt über die Menschen aus."

Ja, an Stelle der Indifferenz ist in weiten Kreisensogar Haß gegen Kirche und Religion getreten, weil an ihrgerade die Lügenhaftigkeit des ganzen Systems am meistenbewußt wird. Irreligiosität wird zur Antircligiosität, dasövrs>ss2 l'intaiiis die Stimmung weiter Kreise.

Nicht anders steht es mit der weltlichen Führung der