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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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sich andere nicht begeistern, wohl dagegen für Menschenrechtein s-dstrsoto.

Dies ist nach Carlyle das neue, was Rousseau gebrachthat, nicht die Lehre vom oontrat social, welche schon vor ihmgelehrt wurde und die Folge einer individualistischen Gcsell-schaftsauffassung überhaupt ist. Aber während dieselbe bis-her von skeptischen Philosophen vorgetragen war, erhob sichnun wieder einbegeisterter Denker", eine Art von.Evan-gelist", der die Menschen durch die Predigt von einer kom-menden irdischen Glückseligkeit entflammte und ihnen wiedereinen Glauben gab, für den sie sich hingeben, ja ihr Lebenopfern konnten. Diese wie jede aus Glauben hervorgehendeBewegung hat etwas Wunderbares.Aus der faulendenMasse von Skeptizismus, Sentimentalismus und Sensualis-mus hat sich ein Glauben erhoben, der das Herz des Volkesentflammt. Ein ganzes Volk, erwachend zum Bewußtseindes tiefsten Elends, glaubt, daß es im Bereiche eines Himmelsauf Erden sei. Selten kann man von einem ganzen Volkesagen, daß es überhaupt einen Glauben hat, außer an das,was man essen und angreifen kann. Wenn es aber einenGlauben bekommt, dann wird seine Geschichte erstaunlich.Seit der Zeit, als das stählerne Europa von dem WortPeters des Einsiedlers erschüttert nach dem heiligen Grabestürzte, ist kein allgemeiner Impuls des Glaubens mehrzu bemerken. Seit der Protestantismus zum Schweigen ge-kommen und der letzte Cameronianer auf dem Schlüsse vonEdinburg erschossen war, da gab es keinen PartiellenImpuls des Glaubens mehr unter den Nationen Europas ,und nun hat die französische Nation wieder einen Glauben,und dieser ist die Seele jenes Wunders, das man französischeRevolution nennt."*)

Aber die einstigen Glaubensvorstellungen, auf denen dieeuropäische Gesellschaft sich aufgebaut hatte, besaßen einenmetaphysischen Charakter nnd setzten eine mehr oder minder

*) ?rsnek Revolution (?s.uelivit2 Däition) III. 152.