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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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natoren, sondern von der Natur selbst, unbewußterweise auf-gewachsen aus den Bedürfnissen und Anstrengungen dieser25 Millionen. Sie bestimmen die Debatten der Legislative ,entscheiden über Krieg und Frieden, setzen im voraus fest,was jene Versammlung thun soll: zum großen Anstoß denmeisten Philosophen und Historikern, welche darin zwar natür-lich, aber nicht weise urteilen. Eine regierende Macht muß dasein. Alle andern Mächte sind Schein, dies ist eine Macht"

Trotzdem aber behauptet sich jene revolutionäre Be-geisterung, nachdem der Sieg errungen ist, nur kurze Zeitin der Herrschast. Der Grund dafür ist einmal ihre eigneUnfähigkeit, ihre lediglich negative Natur. Aber auch derUmstand kommt hinzu, daß die größten Männer der Zeitnicht von ihr ergriffen werden. Während die Helden posi-tiver Zeiten für Carlyle war Cromwell ein solchergerade die Träger des Glaubensinhalts ihrer Zeit sind, sindsie in negativen Zeiten von der Begeisterung, die ihre Mit-menschen ergreift, unberührt. Sie durchschauen deren Gegen-stand als leeres Abstraktum. Soweit sie nicht mehr unterder Herrschaft älterer Glaubensformen stehen, treibt sie dasStreben nach Macht, jener ursprünglichste soziale Faktor:sie sind die Zwingherrn der Revolution.

Ein solcher Mann war Mirabeau, ein solcher Napoleon .Es sei hier auf die in Kapitel VI und VII des drittenBuchs der französischen Revolution gegebene CharakterisierungMirabeaus verwiesen, als auf eine der glänzendsten Partien,die Carlyle geschrieben hat. Gleich geistvoll ist sein Urteilüber Napoleon , bei dem er ein allmähliches Überwiegen desfranzösischen Wesens über die italienische Natur wahrnimmt.

Ob nun zeitweise ein Alleinherrscher die Revolutionniedertritt, ob dann die besitzenden Klassen eine Plutokratieaufrichten die elendeste Art der Herrschaft der Jako-binismus ist nicht tot. In immer neuen Formen macht ervielmehr seinen Weg durch die Welt. Er ist ein Glaubeund als solcher ebensowenig durch logische Widerlegungen,wie durch das Schwert verwundbar. Ideen, melche dieMenschen beherrschen, lassen sich nur durch Ideen bekämpfen.