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„Ja, meine rosigen, fuchsjagenden Brüder," ruft Carlyle aus,„in euren frische:?, üppigen Zügen offenbart sich mir entsetzlichbereits das hippokratischc Gesicht."*)
Dagegen ist es das Bürgertum, welches die Früchtejenes sozialen Auflösungsprozesses zieht. „Emanzipation"wird das Schlagwort der Zeit — nichts als eiu volkstümlicherAusdruck für die Auflösung der zahllosen Abhäugigkeits- undVerpflichtnngsverhältnisse, die bisher die Klassen der Gesell-schaft miteinander verflochten. Die Entwicklung führt mehrund mehr zur Plutokratie, d. h. der Gcldherrschaft, nachCarlyle der schlechtesten Art aller Beherrschung, weil sie denHerrschern am wenigsten Pflichten auferlegt und die Aus-beutung der Beherrschten am meisten begünstigt. Ein weit-gehendes, ja ein allgemeines Wahlrecht an sich nutzt dagegennichts. Denn die Wahlen werden so lange mittelbar oderunmittelbar durch Geld gemacht, bis größere Kreise desVolkes wieder irgendwelche allgemeine Interessen oder Idealeverfechten.
Die soziale Frage, welche, erst überhört, dann immerdrohender an die Pforten des Staates anpocht, findet Philo-sophen wie Nationalökonomcn ratlos. Während noch derJubel ertöut, mit dem man die neue Ära begrüßt, tretenErscheinungen auf, welche geeignet sind, den denkenden Beob-achter zu beunruhigen. Zunächst freilich zweifelt man nichtan der Vorzüglichkeit des eingeschlagenen Weges. Man mißtdie Schäden, die man nicht leugnen kann, dem Umstände bei,daß noch Reste des alteu Systems bestehen, daß noch nichtgenug aufgeklärt und niedergerissen sei. Aber im Verhält-nisse, wie man hierin fortschreitet, nehmen jene Schäden zu,so daß sich die Vermutung eines zwischen beiden Entwick-lungsreihcn bestehenden Kausalzusammenhanges nicht abweisenläßt. Auf der einen Seite sammeln sich ungeheure Reich-tümer: auf der andern Seite nützt der Masse des Volkesder erworbene Reichtum wenig. Auf der einen Seite Über-produktion, auf der andern Mangel. Hier werden 100 000
Vergl. ?ast anä ?r<zssnt, Ausgabe von Kretzschmar, S. 169.