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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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erbärmlich leben zu müssen, ohne zu wissen weshalb; anHerz und Seele müde und matt und doch vereinzelt undvon einem kalten allgemeinen Ibisse« tsirs umgürtet zu sein;das ganze Leben hindurch langsam sterben zu müssen, ein-gekerkert in eine taube, tote, unendliche Gerechtigkeit, wie indem verfluchten eisernen Banch eines Phalaris-Sticrs."

Wir gehen nunmehr zur Betrachtung der Bewegungenüber, welche das soziale Elend hervorruft. Zuerst folgt dasProletariat deu radikalen Bewegungen der Mittelstände.Aber allmählich beginnen die Arbeiter zu begreifen, daß ihnennur Worte, nicht Dinge geboten werden. Die Arbeiter be-ginnen jene Politiker zu durchschauen,denen das Elend derarbeitenden, klagenden Massen nicht Elend ist, sondern nurRohmaterial, aus dem man zn gunsten der eigenen kargenTheorien und des eigenen Egoismus Kapital schlagen kann."

Hieraus nuu entspringt die sozialrevolntionäre Bewe-gung, welche bereits in der ersten französischen Revolutionsich andeutet und seitdem die Ruhe Europas wiederholtgestört hat. Dieselbe ist durch deu Gegensatz der besitz-losen zu den besitzenden Klassen gekennzeichnet.Ein rach-süchtiger Geist des Aufruhrs gegen die oberen Klassen,abnehmender Respekt vor den Befehlen 4hrer zeitlichenVorgesetzten,' abnehmender Glaube an die Lehren ihrergeistlichen Vorgesetzten wird mehr und mehr unter den un-teren Klassen allgemein. Man mag solchen Geist tadeln, jabestrafen; aber alle Menschen müssen ihn als eine Thatsacheanerkennen, die traurig und, wenn nicht verändert, verhäng-nisvoll sein wird. Aus unteren Klassen, die in solcher Weisemit den oberen verbunden sind, setzen sich nicht glücklicheNationen zusammen! Von allem Elend, unter dem sie leiden,ist das bitterste und schwerste die unerträgliche Überzeugungder unteren Klassen, daß ihr Los ungerecht sei, nicht aufRecht, ja nicht einmal auf Notwendigkeit und Macht beruhe,daß es anders sein solle und anders sein könne" (vergl.Chartismus S. 26).

Der soeben bezeichnete Gegensatz bernht darauf, daßdie obern Klassen thatsächlich aufgehört haben, den Beruf,