Druckschrift 
Ueber Colonisation / von F. C. Philippson
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

gegen prosperire trotz der günstigen Bodenbeschaffenheit nicht,weil Dürre und Ueberschwemmung beständig wechseln und Heu-schreken die Felder verwüsten. Unter fünf Jahren sei nur eingutes zu rechnen. Der Gartenbau in Nähe der grofsen Städte, wieer viel von Italienern betrieben wird, sei hingegen erfolgreich.Das Loos des Emigranten, welcher von Unternehmern en-gagirt wird, ist nach seinen Worten «Arbeit, Drangsal und Ent-behrung aller Art.» Seine Einkünfte gehen in Vorschüssen,welche ihm der Unternehmer unter wucherischen Bedingungenleistet, auf und es fehlt ihm bald an Mitteln für die nothwendigstenLebensbedürfnisse. Wenn es ihm möglich ist, so verläfst er dieColonie und büfst die Frucht seiner Arbeit ein; ist er hingegenFamilienvater ohne Mittel, so mufs er seine Zeit abarbeiten, umdennoch schliefslich aus seinem Besitz getrieben zu werden, weiler die ihm geleisteten Vorschüsse in der Regel nicht zurück-zahlen kann. Ebenso warnt er vor Uraguay, woselbst dietrostlosen gesetzlichen Zustände weder Eigenthum noch Lebenschützen.

Ein anderer Bericht von Mr. Phipps, Charge dAffaires derenglischen Regierung zu Rio , über die Brasilianische Einwanderunglautet nicht minder entmuthigend. Das Gesetz behandelt den Emi-granten sehr hart und er kann als Verbrecher bestraft werden, wenner selbst wegen Unfähigkeit zur Arbeit, sich derselben weigert. DasSystem der parceria, bei welchem nach Abzug der Kosten derNutzen zwischen Landeigenthümer und Arbeiter getheilt wird, hatzur beiderseitigen Unzufriedenheit Anlafs gegeben, so dafs man esverlassen hat. Sehr ungünstig urtheilt er über das Project einesMr. Beaton, Sekretair der London -Brasilianischen Bank, welcherio ooo Familien von England und Deutschland einführen wollte.Er berechnet die Chancen der Einwanderer folgendermafsen: An-genommen, ein Elternpaar mit 3 Kindern unter 18 Jahren kämemit keiner anderen Schuld als £ 25 für die Ueberfahrt dorthin,so würde es (stets unter der Voraussetzung, dafs es zu der richtigenJahreszeit angelangt ist und alles vorbereitet angetroffen hat,und dafs die Familie ganz ohne Fleisch, Bier, Branntwein, Theeund Tabak bestehen kann und sich nur von eigenem Producternähret) in den ersten vier Jahren seiner Anwesenheit 1440 Milreisverausgaben, wohingegen die Familie nur 810 Milreis verdienenkann. Nach Ablauf dieser Zeit miifste es nach dem Project ent-