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Ueber Colonisation / von F. C. Philippson
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ihren nationalen Charakter bewahren will, nur die Wahl, bei ihrenExporten Geld zuzusetzen, oder den Concurrenten, welche dieseRücksicht nicht zu nehmen haben, das Feld zu räumen. Samoaund die Südseeinseln werden, wenn sie überhaupt eine Zukunfthaben, von Kaufleuten der anderen Verkehrsländer ebenfalls be-schickt werden, und ein einziger tüchtiger Concurrent wäre imStande, das ganze Merkantilsystem, welches die Motive der Gesell-schaft aufoctroyiren wollen, über den Haufen zu werfen.

Herr Ernst v. Weber spricht sich über den Einflufs der Co-lonisation in Bezug auf das Mutterland folgendermafsen aus: «JederDeutsche, der in überseeischen Ländern gewesen ist, wird wohldas Gefühl mit nach Hause gebracht haben, dafs wir in unseremcolonielosen Vaterlande in engen kleinlichen Verhältnissen, so zusagen auf dem Pfennigfufse leben, der gegen die in England undseinen Colonien und den in Nord-Amerika uns so imponirendengrofsen Mafsstab aller Erwerbsverhältnisse aufs Kläglichste ab-sticht. Schon der durchschnittliche Vermögensmafsstab, mit demman die Capitalien von Personen mifst, welch ein ganz andererist er in coloniebesitzenden Ländern als hier bei uns! Zählt mandoch in der einzigen Stadt Amsterdam mehr Millionaire, als imganzen Deutschen Reich zusammen genommen! Und in New-York, dem Centralpunkte des Reichthums der amerikanischen Nation, deren heutige Macht doch auch nur aus einer Menge vonfortwährend nach Westen vorschreitenden Massen-Colonien empor-gewachsen, ist der übliche Vermögensmafsstab, den man an dieLeute legt, ein so gänzlich verschiedener von dem in unsermarmen und colonielosen Vaterlande gebräuchlichen, dafs z. B.ein Mann mit einem Vermögen von 300000 Mark, den man beiuns schon zu den Reichen zählt, dort entschieden nochzu den Armen gerechnet wird: erst wer von 600000 bis1 Million Dollars besitzt, gilt in New-York für «well off», wer von110 Milk Dollars besitzt für «independent», und erst wer mehrals 10 Milk Dollars sein nennt, hat die Ehre, ein reicher Manngenannt zu werden. Und solche Leute, die über eine MillionDollars haben, giebt es ja in New-York eine erstaunlich grofseMenge!»

Ich gestehe, dafs mir bei diesem Phantasieergufs des Herrnv. Weber ein altes, vor dreifsig Jahren im Wallner-Theater vonHelmerding über Californien mit Beifall gesungenes Couplet mit dem