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Refrain: «Der Proletarier ist dort Millioneser» in den Sinn gekom-men ist. Doch Scherz bei Seite, würde ein Zustand, wie ihn Herrv. Weber uns schildert, ein begehrenswerther sein? Nichts ist fürdie socialen Zustände verderblicher, als die Anhäufung von Reich-thümern in verhältnifsmäfsig wenigen Händen, und die grofsenationale Kraft, welche Frankreich bei allen politischen Unglücks-fällen der Neuzeit entwickelt hat, beruht wesentlich in der gleich-mäfsigeren Vertheilung der Güter wie der grofsen Anzahl seinerkleinen Capitalisten. Will Herr v. Weber uns etwa glauben machen,dafs in coloniereichen Ländern weniger Massen -Armuth als beiuns zu finden wäre? Kennt er die Anhäufung von Elend, Schmutzund Laster in den gröfseren Städten Englands , und will er be-haupten, dafs eine einzige deutsche Stadt irgend etwas aufzuweisenhätte, was an dies heranreichte? Die extravagante Behauptung desHerrn v. Weber, dafs ein Capitalist von 300000 JL als arm gilt, isthinfällig, wenn er nicht beweisen kann, dafs inNew-York mehr Men-schen mit Vermögen von 100000 Dollars als unter 100000 Dollarsexistiren. Und sollte es ihm unbekannt geblieben sein, dafs ge-rade die Vermögens-Anhäufung in New-York zu vielen socialenund politischen Mifsständen den Anlafs gegeben hat? Das Taxirenvon Millionairen ist übrigens ein ebenso harmloses als oft aus-geübtes Vergnügen; so wird auch Basel die Stadt der hundertMillionaire genannt, obwohl es nie colonisirt hat. In allen Cultur-ländern haben sich grofse Capitalien angesammelt, und Deutsch-land ist sicher nicht arm daran. Preufsen, der junge Staat, dessenExistenz von den am stiefmütterlichsten ausgestatteten Provinzenausgegangen ist, war zwar in Folge seiner politischen Vergangen-heit hinter anderen reichlicher bedachten Theilen Deutschlands zurückgeblieben, aber es hat sich in dem letzten Jahrhundertschnell erholt und die Pintwickelung seiner Industrie und Verkehrs-wege zeigt Dimensionen, die es anderen besser begabten Ländernwürdig zur Seite stellt; die gröfsere Wohlhabenheit, die es jetztzeigt, ist aber die Frucht seiner fördernden freien Handelspolitikgewesen. Deutschland hat binnen ca. 40 Jahren ca. 31 000 kmEisenbahnen ganz aus eigenen Mitteln gebaut, wovon am Schlüssedes Jahres 1877 noch 16 513 km Privatbahnen waren, und das inallen Bahnen angelegte Capital betrug 8 Milliarden JL, eine Summe,die ganz und gar aus ersparten Capitalien erworben ist. Ein Land,das eine solche Entwickelung zeigt, ist man nicht berechtigt arm