Druckschrift 
Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

i6

alles Lob. 1 ) Das Streben nach dem größtmöglichen Gewinn ist dasPrinzip, das von Anfang an den Handel mit Angehörigen andererWirtschaftseinheiten beherrscht hat.

Somit ist der Handel der erste kapitalistische Wirtschaftsbetriebgewesen. 2 )

Bald aber stellte sich als zweite Art neben den Handel das ver-zinsliche Darlehen. 3 ) Auch hier zuerst nur gegenüber dem Fremden.

T ) So wurde nicht nur in Sparta die Jugend zu Diebstahl bei den Messeniernermutigt und nicht dieser, sondern nur dabei erwischt zu werden, galt als schimpf-lich, sondern B. W. Leist, a. a. O. S. 28 zitiert über Indien aus Ancient India asdescribed by Megasthenes and Arrian , by M c Crindle, p. 42: »Man nehme einenMann aus seiner Dorfgemeinde heraus und jeder gesellschaftliche Zwang hört fürihn auf . . . Selbst zwischen Dorf und Stadt werden die üblichen Verbote der öffent-lichen Moral nicht immer anerkannt. Was zu Hause Diebstahl und Raub genanntwerden würde, heißt glücklicher Streifzug und Eroberung, wenn es gegen fremdeDörfer gerichtet ist, und was im Privatleben Falschheit oder Betrug sein würde,erhält die ehrenvolle Benennung Klugheit oder Berechnung, wenn es gegen Feindegelingt. Dagegen sind Falschheit und Lüge zwischen Dorfgenossen beinahe un-bekannt.«

2 ) Vgl. den Exkurs III »Handel, Puritanismus, Judentum und Kapitalismus« .

3 ) Wie ich bereits in meiner Schrift »Über Anerbenrecht und Grundeigentum«,Berlin 1895, S. 17, 18 ausgeführt habe (vgl. seitdem auch Michael Hainisch, DieEntstehung des Kapitalzinses. Leipzig und Wien 1907, S. 50 ff.; Eberhard Gothein, Die Reservearmee des Kapitals, Heidelberg 1913, S. 38) stammt das Wort Kapitalvielleicht aus der alten Viehleihe. Viehhäupter wurden hingegeben; Milch, Dünger,Kälber wurden als Zins geleistet; eine gleiche Zahl Viehhäupter, wie empfangen,wurde zurückgegeben also nicht dieselben, die man empfangen hatte, sondernnur eine gleiche Zahl gleichartiger; die empfangenen und zurückgegebenen Vieh-häupter waren also ihrer Individualität entkleidet, waren vertretbare Sachgüter undgleichzeitig diente das Vieh als Geld. Es läßt sich also sagen, daß die auf demWege der Verleihung nutzbar gemachten Viehhäupter nicht nach ihren technischenEigenschaften, sondern nur nach ihrem Geldwert in Betracht kamen, als »Mehrwertheckender Wert«. Ein deutliches Bild dieser Verhältnisse ermöglichen uns dieBrehon Laws aus dem 9. oder 10. Jahrhundert (vgl. P. W. Joyce, a Social Historyof Ancient Ireland. London 1903, I, 14). Das Stammesvermögen bestand in Landund Vieh. An Land war ursprünglich Überfluß. Allein wenn auch Landbesitz zumLeben damals ebenso notwendig war, wie heute die Luft, so konnte doch damalsjemand ebensowenig vom Land, wie heute von der Luft allein leben. Die nötigeVoraussetzung für die Nutzbarmachung des Landes war der Besitz von Vieh vonKapital. Daran aber kein Überfluß. Das Stammeshaupt wies das Vieh den ein-zelnen Stammesgenossen zu, die ihm dafür zu Renten, Diensten, Gefolgschaft ver-pflichtet wurden. Dabei berücksichtigte es in erster Linie die ihm zunächst Stehenden,