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verkaufte, Spekulationen in Grundstücken, Häusern, 1 ) wie auch in denniedersten Gewerben waren keine solchen, in denen neue Brauchbar-keiten produziert wurden; es wurde darin nur Anderen, was sie hatten,abgenommen; es wurden also in Italien keine Produkte hergestellt,die man gegen die Luxuswaren des Orients hätte eintauschen können.Man bezahlte sie mit Geld. Also auf der einen Seite ein Versiegender bisherigen Geldquellen, auf der anderen Seite ein fortwährendesAbfließen der Edelmetalle für die Waren des Orients. 2 ) Die Folgewar der Verfall der Geld Wirtschaft und die Rückkehr zur Natural-wirtschaft. Damit treten an die Stelle von Geldsteuern wieder Natural-steuern mit aller sie begleitenden Willkür. Die öffentlichen Kassenwandelten sich in Staatsmagazine. An die Stelle der Grundsteuertrat die Annona. Wirtschaftlich war das Mittelalter bereits da. DieEinwanderung und Ansiedlung der germanischen Völkerschaften imweströmischen Reich hat nur die Rückbildung zur Naturalwirtschaftvollendet, die uns bereits in den Edikten des Diokletian als weit vor-geschritten entgegentritt. Und nun erfolgt jene zuerst naturalwirt-schaftliche, in ihrer weiteren Entwicklung feudale Wirtschafts- undGesellschaftsorganisation, von der ich Eingangs gesprochen habe.
Die Frage ist, wo die Anfänge des neuen Kapitalismus zu suchensind, welcher diese feudale Wirtschaftsorganisation überwunden hat.
besondere Steuern und Zölle, an den Meistbietenden. Dabei ist es bis zum Endedes oströmischen Reichs geblieben (vgl. Deloume, Les manieurs d’argent ä Rome.Paris 1889, pp. 44, 95. Henri Monnier in der Nouvelle revue historique du droitfran^-ais et ötranger XXIV, 305).
') Die privatrechtliche locatio operis ist aus den locationes operis des römischenStaates entstanden. Sie ist so alt wie die Wohnungsmiete in Rom (vgl. Pernice,Antistius Labeo I, 468 ff.). Was aber das Alter der Wohnungsmiete in Rom be-trifft, so genügt die Erinnerung daran, daß Sulla als junger Mann in einem Miet-haus gegen einen Mietzins zu 3000 Sesterzen wohnte, während im gleichen Hauseein Freigelassener um 2000 Sesterzen als Mieter wohnte. Schon damals gab es inRom Mietskasernen. Die locatio operis gehört quellenmäßig schon der vorsullanischenZeit an (vgl. auch Niebuhr, Vorträge über römische Geschichte. Berlin 1846, II, 191).
2 ) Zu Plinius Zeit flössen aus dem römischen Reich jährlich 100 MillionenSesterzen, ungefähr 15900000 Mark in Edelmetallen für Waren, davon allein dieHälfte nach Indien (Plinius , hist, natur. VI, 26; XII, 41).
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