Italien : Kaum war die Krönung vollzogen, so löste sich das Reichs-heer auf und suchte jeder möglichst rasch nach der Heimat zu kommen,und der Kaiser, der beim Eintritt in Italien auf dem ronkalischenFeld eine herrliche Kriegsmacht gemustert hatte, sah sich inmittender feindseligen römischen Bevölkerung von allen Truppen verlassenund mußte sich oft wie ein Dieb unter beständiger Lebensgefahr durchItalien über die Alpen zurückschleichen.«
So wird denn schon frühzeitig das Schicksal der Schlachtenwesentlich durch die Größe des Geldbeutels der Kriegführenden be-stimmt. Die Truppen, mittels deren das byzantinische Reich sichgegen die von allen Seiten auf es eindringenden Feinde solange hält,waren von je die einheimischen oder fremden Völkern entsprossenenSöldner gewesen. 1 ) Aber auch im Abendland datierten die Anfänge
z ) Den Hauptbestandteil der byzantinischen Armee bildeten barbarische Aben-teurer, welche die Grenzen des Reichs umschwärmten, bereit, sich dem zu verkaufen,der sie bezahlte. Sie führten den Namen »Bundesgenossen«. Byzanz warb sie alsSöldner. So bestand sein Heer aus einem wahren Mosaik aus allen Nationen:Hunnen, Gepiden, Herulern, Vandalen, Gothen, Langobarden, Anten, Slaven, Persern,Armeniern, Kaukasiern, Arabern, Mauren meist von Häuptlingen ihres Stammes befehligt;im 6. Jahrhundert waren es Russen, Chazaren, Ungarn, Slaven, Angelsachsen, Nor-mannen und Araber; später Deutsche, Italiener, Katalaner, Franzosen; die Leib-wache bildeten die berühmten Waräger, wahrscheinlich Skandinaven. Harald III. Haardraade, der 1047 den norwegischen Thron bestieg, diente von 1033—1044 alsOberfeldherr der fremden Leibwache der W r aräger. (Vgl. Adam Bremensis, GestaHammaburgensis eccles. pontificum III, 12, 16 in Pertz, mon. germ. hist. IX, 33g;Annalista Saxo bei Pertz VIII, 695). Eine süditalienische Chronik beschreibtim Jahre 1002 die Elemente des Heers, das unweit Baris vereinigt ward: »es be-stand aus Russen, Warägern, Türken, Bulgaren, Walachen, Makedoniern und anderemVolke« (Pertz, V, 53 unten). Die Tapferkeit dieser Truppen war groß. Sie be-trachteten den Krieg als einen freudigen Lebensberuf. Indes doch nur, so langeder Sold regelmäßig einging und es an Beute nicht fehlte. Ihre Treue währte nursolange wie ihre Bezahlung. Blieb diese aus, so gingen sie zum Feinde über (Vgl.Prokop, Persischer Krieg II, 7; II, 17; Gothischer Krieg III, 1; III, 5 i. f. III, 6;III, 20; III, 30). Außerdem gab es noch in den Grenzgebieten seit den erstenZeiten des römischen Kaiserreichs Grenzsoldaten. Diesen hatte man die Besc'nützungder Grenzen gegen Verleihung von Ländereien zur Pflicht gemacht, und ähnlich gabes auf den Inseln Schiffer, denen gegen die Verpflichtung, auf der Flotte zu rudern,Land verliehen ward. Sie bildeten eine Art Reserve, die man im Notfall heranziehenkonnte. Abgesehen davon gab es keine innerhalb des Reichs ausgehobene Mann-schaften, abgesehen von Resten alter römischer Regimenter, die unter den Bauern